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ZEITUNGSARTIKEL I

(Letzte Aktualisierung: 29.01.2000)

Wolfsrüde aus Polen
hat die Narkose gut überstanden

Von Volker Hohlfeld

Anmerkung: Mehr über den polnischen Wolf unter
"Die Romanze von Xena und dem Wolf"

Eberswalde - Der Wolf, Sinnbild für unbezähmbare Freiheit und Stärke ist in Brandenburg eigentlich seit Anfang des 19 Jahrhunderts ausgestorben. Doch in immer kürzer werdenden Abständen tauchen die grauen Jäger wieder zwischen Oder und Elbe auf.

Streng abgeschirmt vor neugierigen Besuchern und Fotografen wird der am Donnerstag bei Eisenhüttenstadt gefangene Wolf die ersten Tage im Tierpark Eberswalde verbringen. Der 45 Kilogramm schwere Wolfsrüde hat die erste Nacht gut überstanden. Tierparkdirektor Bernd Hensch: «Aus der Narkose ist er gut aufgewacht. Auch hat er in der ersten Nacht Futter angenommen. Die Verletzung am rechten Hinterlauf ist gut verheilt. Ich vermute, dass der Wolf mit dem Hinterlauf in ein Fangeisen geriet und so ein Teil des Laufes abgetrennt wurde. Um sich zu befreien, hat er sich möglicherweise die Pfote selbst abgebissen.» Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das Tier aus Polen über die Oder gekommen. In Polen stellt man dem Wolf auch mit Fangeisen und Fallen nach.

Seit 1945 sind in Deutschland 25 Wölfe abgeschossen worden. Je einen Wolf erlegten Jäger in der Nähe von Bonn und München. Der weitaus größte Teil aber wurde im Land Brandenburg erlegt. Fast jedes Jahr tauchen einzelne Tiere von Polen kommend in Brandenburg auf. Bis 1990 wurden diese «illegalen Grenzgänger» abgeschossen. Jetzt stehen die grauen Jäger unter Schutz.

Den letzten Wolf in Brandenburg schoß ein Waidmann 1994 bei Gardewitz in der Uckermark. Er verwechselte ihn mit einem Wild jagenden Hund.

Hensch erinnert sich: «In mehreren russischen Kasernen gab es Wolfsgehege. Ich selbst habe Wölfe in einer Kaserne in Finowfurt gesehen. Als die Soldaten abzogen, machten sie einfach die Türen auf. 1991 bot mir ein russischer Offizier drei Wölfe zum Kauf an. Durch die Gehegehaltung hatten diese Tiere die natürliche Furcht vor Menschen vollkommen verloren.»

Hensch ist fasziniert vom Stolz und der Ruhe, die der Wolfsrüde ausstrahlt. «Wir werden versuchen, ihn in unser Rudel, das zur Zeit aus einem Rüden und drei Weibchen besteht, einzubeziehen. Dazu werden wir ihn nach der Eingewöhnungsphase in ein Nachbargatter des Rudels setzen. Der spannende Augenblick kommt dann, wenn sich beide Rüden gegenüberstehen. Kommt es zu einer Abklärung der Rangordnung, wird er das Rudel verstärken. Sollte das aber nicht möglich sein, bringen wir ihn artgerecht in einem anderen Tierpark unter." Zuvor wird er zur Behandlung noch mal narkotisiert.

(Quelle: Berliner Morgenzeitung v. 29.1.2000)

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Wolf an der Oder lebend,
aber verletzt gefangen


Eberswalde - Sensation an der Oder: Dort wurde am Mittwoch Abend ein Wolfsrüde lebend gefangen. Das Landesumweltamt teilte gestern mit, dass Bürger im Landkreis Oder-Spree, nahe der Oder, seit vier Tagen ein wolfsähnliches Tier beobachtet hätten, das sich offensichtlich für ihre läufige Hündin interessierte.

Die Leute benachrichtigten die Untere Jagdbehörde und die Experten des Landesumweltamtes, die das Tier eindeutig als Wolf identifizierten.

Der Wolfsrüde ist verletzt: Sein rechter Hinterlauf ist am Sprunggelenk abgetrennt, er «humpelt» auf drei Beinen. Im Beisein der Experten - sie kamen bis auf 20 Meter an das Tier heran - wurde der Wolf von einem Fürstenwalder Tierarzt mit einem Narkosegewehr betäubt und anschließend in den Zoo von Eberswalde (Barnim) gebracht.

Nach Angaben des Zoos kann das Tier jedoch erst ab Mitte nächster Woche besichtigt werden.

Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes: «Zum Schutz des verletzten Tieres und der Haustiere der Region mussten wir den Wolf fangen. Verletzte Wölfe bevorzugen leichte Beute, also Haustiere. Sie sind auch durch den Verkehr besonders stark gefährdet.» Der 42 Kilogramm schwere Wolfsrüde hat die typisch graue Fellfärbung und einen ockerbraunen Überflug.

In Polen existieren seit langem Wolfspopulationen, von denen vor allem junge Tiere auf uralten Wolfspfaden in Richtung Westen wandern. In den dünn besiedelten Landesteilen finden sie gute Lebensbedingungen.

Wölfe sind in Brandenburg ganzjährig geschützt.

(Quelle: Berliner Morgenzeitung v. 27.1.2000)

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Wölfe in Brandenburgs Wäldern gesichtet

Förster Dietrich Brennewitz sah den ersten und erzählt, was er dabei fühlte

Von UWE STEINSCHEK und OLAF SCHULZ


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Wölfe. Die grauen, mythenbeladenen Wanderer mit den gelben Augen sind wieder da
Fotos: Olaf Schulz, Thomas Spikermann, Okapia

Der Morgen war kalt. Die klare Dezemberluft schnitt beißend in die Wangen von Dietrich Bennewitz, 70. Aber der Förster im Ruhestand aus Reichenwalde harrte geduldig auf einem Hochsitz in der Nähe des Wotzensees aus. Seine Geduld wurde belohnt.

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Ex-Förster Dietrich Brennewitz, 70, hat den grauen Wanderer für Momente gesehen

"Ich hörte zwei Mufflons - und dann sah ich ihn plötzlich, den Wolf, "erinnert er sich, "das Tier schnupperte an der Fährte der Wildschafe."

Kurzer Blickkontakt. Zwischen Mensch und Wolf lagen etwa 80 Meter Luftlinie. Der graue Schemen reckte seine Schnauze in die Luft, nahm Witterung vom Menschen - und hetzte in großen Sätzen davon.

Wölfe. Die grauen, mythenbeladenen Wanderer mit den gelben Augen sind wieder da. Sie schnüren durch Brandenburg, bis vor die Tore Berlins.

Noch einer bemerkte das Tier, Revierförster Ulrich Pape:. "Ich muss den Wolf wohl im Uferschilf aufgeschreckt haben, als ich mit meinem Hund am Wotzensee unterwegs war." Allerdings entdeckte er nur die Pfotenabdrücke des Tieres im Schnee, verfolgte sie bis zum Hochsitz.

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Wieder öfter zu sehen: eine Wolfs-Fährte im Schnee

Die Fährte des Wolfes. Wer sie zurückverfolgt gelangt über die Oder, gelangt bis in die dichten Wälder Polens. Hier leben noch rund 1000 Tiere, von hier aus traben sie nach Brandenburg. Die grauen Schemen folgen uralten Routen. Wegen, die sich dem Instinkt über Jahrhunderte einprägten.

Wölfe. Im Laufe der Geschichte oft als reißende Bestien gestempelt. In Märchen wie Rotkäppchen zum menschenfressenden Scheusal stilisiert. Die Legende machte die scheuen, ängstlichen Tiere zu Opfern sinnloser Schlächterei - auch in Brandenburg.

Isegrim galt hier als ausgestorben, für lange Zeit der letzte wurde 1846 getötet: Drei Jäger, drei Schüsse drei Treffer - und das Ende seiner Art. Von diesem Drama zeugt eine Gedenktafel, die Wolfssäule bei Doberlug.

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Das Heulen des Wolfes. Es dient der Verständigung und signalisiert auch über große Entfernungen: Dieses Revier ist besetzt

Doch der Wolf ist zurück. Heimlich ist er über die Oder gekommen. Seine Spuren führen nach Sachsen, nach Vorpommern und natürlich nach Brandenburg, wie nach Storkow.

Schade nur. Der Wolf muss heute wie vor Jahrhunderten leiden: Allein von 1982 bis heute starben in Deutschland insgesamt mindestens 13 Wölfe durch Jägerhand. 1985 und 1986 wurden im Kreis Eberswalde zwei Wölfe geschossen. Ein Jahr später mußte ein Exemplar in Hagenow bei Berlin sein Leben lassen.

Seit 1989 sind Wölfe streng geschützt. Auch deshalb drückte Detlef Bennewitz nicht ab, obwohl er seine Büchse auf dem Hochsitz dabei hatte. Er freute sich lieber über den einsamen grauen Rückkehrer.

Die Spur des Wolfes führt zurück nach Vorpommern, Sachsen, Brandenburg. "Der Wolf gehört wieder her" sagt Jörg Lippert, Sachbearbeiter für Artenschutzvollzug im Landesumweltamt. Das sehen aber andere anders. So erschoss im vorpommerschen Hintersee letzten Januar Clemens Freiherr Ostmann von der Leye einen angeblich verletzten Wolf. In Bulgarien sind Abschussprämien für streunende Wölfe ausgesetzt, die zuviele Schafe rissen. Und im Westen Kosovos erlegten Jäger sechs Wölfe. Der schwerste wog immerhin 68 Kilogramm. Es geht aber auch unblutig: 1997-98 überwinterte ein Rudel in Sachsen. Auch in der Schweiz, in Italien, Frankreich und Norwegen ist Isegrim wieder heimisch.


(Quelle: Berliner Zeitung v. 25.1.2000)

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Nato vertreibt Wölfe

Die Nato-Bombardierung Jugoslawiens hat nicht nur den Menschen Schaden zugefügt, sondern hatte auch „verheerende Folgen“ für die Tiere in dieser Region. Dies beklagte Milan Paunovic, Mitarbeiter des Belgrader Naturwissenschaftlichen Museums, anlässlich einer Umwelttagung der EU in Saloniki. In Serbien und im Kosovo seien viele Biotope und Zufluchtsorte seltener Tiere zerstört worden. So seien beispielsweise viele Wölfe nach Nordgriechenland geflüchtet. Nach Angaben von Paunovic beschweren sich dort mittlerweile die örtlichen Landwirte über die zunehmende Wolfsplage. Genaue Nachforschungen über den verbliebenen Tierbestand in den betroffenen Regionen Jugoslawiens seien auf Grund der zahlreichen Bomben, die bisher noch nicht explodiert sind, derzeit jedoch nicht möglich.

(Quelle: Sueddeutsche Zeitung v. 18.1.2000)

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Etablierte Wölfe

Etwa zehn Wolfsrudel leben momentan auf italienischem und französischem Gebiet der Südwestalpen. Die nördlichsten Rudelreviere befinden sich im Südzipfel des Nationalparks Gran Paradiso bzw. in der Nähe von Grenoble. Dies ergab eine kürzlich durchgeführte Studie, welche im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Life II durchgeführt wurde ("KORA-Info" 3/99). Damit liegen erstmals Daten über die grossräumige Besiedlung der Südwestalpen durch den Wolf vor. Die Erhebung gründet auf Interviews, Totfunden und anderen Hinweisen auf Wölfe. Eine weitere Methode besteht in der akustischen Beobachtung des Heulens, das durch Imitation dieser weiträumig wahrnehmbaren Signale ausgelöst werden kann.

Die Daten bestätigen die Vermutung, die der wiederholte Auftritt von Wölfen in der Schweiz in den letzten Jahren nahe legt: Die Art hat sich in den Südalpen schon stärker etabliert, als man bisher geglaubt hat. Der italienische Wolfsforscher Luigi Boitani schätzt, dass die zehn Rudel gesamthaft um die 50 Tiere zählen und jedes Jahr 10 Jungwölfe abwandern. Die Einwanderungen in die Schweiz werden somit in den kommenden Jahren wahrscheinlich zunehmen. (hjb)

(Quelle: Schweizer Tagesanzeiger v. 6.1.2000)

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Walliser Wolf erhält letzte Chance
vor Abschuss


Gnadenfrist bis Ende Januar 2000 - Laut WWF werden Probleme damit nicht gelöst

Sitten/Schweiz (AP) - Ein Wolf, der im Wallis für den Verlust von über 270 Schafen verantwortlich gemacht wird, erhält eine Gnadenfrist bis Ende Januar 2000. Dann darf er unter bestimmten Bedingungen abgeschossen werden, wie das Schweizer Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) und der Kanton Wallis am Freitag in Sitten bekannt gaben. In der Zwischenzeit soll das Tier eingefangen und mit einem Sender versehen werden, der Aufschluss über die Gewohnheiten des Wolfs im Winter liefern soll. Eine solche Aktion wurde in der Schweiz noch nie vorbereitet.

Die Suche nach dem Wolf beginnt sofort. Im Zentrum steht der Einsatz eines Helikopters. Das Tier soll aus dem Unterholz gelockt, mit einem Netz gefangen und mit einer Spritze betäubt werden. Endgültig zum Abschuss frei gegeben wird der Wolf erst, wenn er noch zweimal zuschlägt und dabei 14 Schafe tötet, was einem durchschnittlichen Wolfsangriff entspricht. Der Wolf hält sich laut Fachleuten zurzeit als einziger im Wallis auf. Der World Wide Fund of Nature (WWF) kritisierte den Plan. Auch der Tod dieses Wolfes werde Artgenossen nicht daran hindern, sich an unbewachte Schafherden heranzumachen, die noch im November auf 2.000 Metern Höhe weideten.

Wölfe erregen die Gemüter der Schafzüchter im Wallis seit 1995, als sie im Val Ferret erstmals auftauchten. Eines der Tiere war bei einer Treibjagd verletzt worden. Ein anderer Wolf tauchte 1998 im Vallee de Conches auf und wurde von Unbekannten erlegt. Ein drittes Exemplar wurde Anfang dieses Jahres auf dem Simplonpass von einem Schneepflug zu Tode gefahren, bevor sich im Sommer an verschiedenen Orten erneut ein Wolf bemerkbar machte.
(Quelle AP v. 17.12.1999)

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Kein Platz für Wolf und Luchs an der Müritz

Nationalparkamt will die Raubtierarten nicht künstlich ansiedeln



Neubrandenburg. Die Jahre, in denen Wolf und Luchs in Mecklenburg und Vorpommern heimisch waren, liegen weit zurück. Der letzte Luchs wurde vermutlich 1795 in der Ueckermünde Heide erlegt. In Mecklenburg-Strelitz fing man die letzten vier Wölfe vor rund 250 Jahren, zwei davon auf dem Gebiet des heutigen Müritz-Nationalparks. Aber auch in jüngster Zeit berichteten Naturfreunde und Jäger von Sichtbeobachtungen und Fährtennachweisen. Ein 1993 mehrfach bei Mirow gesehener Luchs scheint aber lediglich eine Hinterlassenschaft der abziehenden GUS-Truppen gewesen zu sein. Ein Jahr später wurden am Müritz-Ostufer und bei der Zartwitzer Hütte Fährten entdeckt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein selbstständig eingewandertes Tier handelt, ist jedoch verschwindend gering. Die osteuropäische Population ist zu weit entfernt, und der Luchs neigt nicht zum weiten Wandern.

Ganzjährig geschont

Anders ist die Situation beim Wolf. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wurden seit 1984 immerhin 13 Wölfe getötet, der letzte am 9. Januar 1999 im Uecker-Randow-Kreis. Ein Jagdgast hatte auf ihn geschossen, obwohl für Wölfe ganzjährig Schonzeit gilt. Der Abschuss war somit illegal. Im Müritz-Nationalpark wurde 1995 bei Zartwitzer Hütte und Amalienhof mehrmals ein wolfsähnliches Tier gesehen. Verwechslungen mit Schäferhunden oder Huskies können aber möglich sein. Die Tendenz zeigt jedoch, dass der Wolf im Gegensatz zum Luchs in der Lage ist, weite Wanderungen zu unternehmen und längst verlassene Lebensräume wiederbesiedeln kann. Die Theorie der "alten Wolfspfade", wonach die Tiere seit Jahrhunderten die gleichen Wege benutzen, scheint in jüngster Vergangenheit an Aktualität zu gewinnen.
Könnten Wolf und Luchs im Müritz-Nationalpark heimisch werden? Um die Frage zu klären, müssen zunächst Biologie und Lebensraumansprüche der beiden Raubtierarten betrachtet werden.
Der Luchs wird etwa 30 bis 45 Kilo schwer. Sein Beutespektrum reicht von der Maus über den Fuchs bis zum geringen Rothirsch. Er ernährt sich aber auch von Fallwild. Die Schalenwildbestände (Rot- und Damhirsch, Wildschwein, Mufflon und Reh) im Müritz-Nationalpark würden als Nahrungsgrundlage völlig ausreichen, um mehrere Luchse zu ernähren. Da die Großkatzen bevorzugt Kitze und Kälber bzw. kranke und überalterte Tiere erbeuten, könnte ihr Einfluss auf das Schalenwild sogar günstig sein. Die Schalenwilddichte wird durch ihn aber nicht reguliert.
Experten gehen davon aus, dass der Luchs eine Reviergröße von 10 000 bis 20 000 Hektar benötigt. Im 32 000 Hektar großen Müritz-Nationalpark könnten somit bestenfalls drei Luchse Lebensraum finden. Eine gesunde, sich selbst erhaltende Population müsste jedoch aus etwa 100 Tieren bestehen, denn eine Inselpopulation von nur wenigen Individuen ist auf Dauer nicht lebensfähig. Beim Wolf stellen sich die Verhältnisse ähnlich dar. Die Schalenwilddichte würde mit Sicherheit ausreichen, um einen geringen Wolfsbestand zu ernähren. Doch auch der Wolf benötigt riesige Jagdgebiete, die ihm der Müritz-Nationalpark allein nicht bieten kann.
Bei beiden Großraubtierarten kommt hinzu, dass die Bevölkerung ihnen nach wie vor skeptisch gegenüber steht. Die beiden könnten in der deutschen Kulturlandschaft nur überleben, wenn die Menschen bereit wären, ihren Siedlungsraum mit ihnen zu teilen.


Beide Arten geschützt

Eine künstliche Wiederansiedlung von Wolf und Luchs kommt im Müritz-Nationalpark deshalb nicht in Frage. Die natürliche Einwanderung des standorttreuen Luchses ist durch die große Entfernung zur nächsten Population nahezu ausgeschlossen. Die Art erweitert ihren Lebensraum nur langsam.
Der Wolf hingegen legt auf der Suche nach neuen Gefilden weite Strecken zurück. Der Anspruch an die Lebensraumgröße ist jedoch zu hoch, als dass er in der Region des Müritz-Nationalparkes heimisch werden könnte.
Sollten aber wider Erwarten beide Raubtierarten von selbst den Nationalpark besiedeln, wird das Nationalparkamt ihnen keine Steine in den Weg rollen. Wolf und Luchs sind durch Artenschutz-, Naturschutz- und Jagdrecht ganzjährig streng geschützt und dürfen weder erlegt oder beunruhigt noch anderweitig gestört werden. Der Hinweis sollte beachtet werden.
(Quelle Nordkurier v. 14.12.1999)

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Angst vor dem "bösen Wolf"

Französische Schafzüchter machen Jagd auf das aus Italien eingewanderte Raubtier

Der Wolf steht in europäischen Ländern zwar unter Tierschutz. Dennoch muss er sich vor Jägern in Acht nehmen. In Frankreich wollen Schafzüchter dem Raubtier an den Kragen. Die Schüsse verfehlten ihr Ziel.

Nizza/Paris(afp). Mit geschulterten Flinten machten sich französische Schafzüchter aus dem bergigen Hinterland der Côte d'Azur auf eine streng verbotene Pirsch: Sie lauerten kürzlich Wölfen auf, die seit Jahren unter Tierschutz stehen. Ihre "Selbsthilfeaktion gegen die Dezimierung unserer Schafbestände" war eine Herausforderung an die Regierung in Paris, die nach ihrer Überzeugung nichts gegen die "Wolfsplage" tue. Den rund 30 "Jägern" liefen nach eigenen Angaben auch tatsächlich zwei Wölfe vor die Gewehrläufe, die sie dann aber knapp verfehlt haben wollen. So blieb ihnen erspart, bei der anschließenden Pressekonferenz in der Ortschaft Rigaud nicht gleich von der anwesenden Polizei abgeführt zu werden.

Der Vorsitzende des Schafzüchterverbandes des Mercantour-Berglandes hinter Nizza, Bruno Bernard, hat weitere "Wolfsjagden" angekündigt. "Wir haben mehr als genug und nichts mehr zu verlieren", sagte er. "Die meisten von uns haben nicht einmal einen Jagdschein, aber das ist uns egal." Sein Mitstreiter René Donadey drohte sogar mit "systematischer Vergiftung" der Wölfe. Auslöser der zornigen Protestaktion war der Tod von 357 Schafen, die eine Woche zuvor auf der Flucht vor Wölfen in eine Schlucht gestürzt waren. Nach offiziellen Zahlen wurden im vergangenen Jahr 1250 Schafe im Mercantour-Gebiet und in den französischen Alpen von Wölfen getötet. Dafür gibt es zwar staatliche Entschädigungen, die den Züchterverbänden zufolge aber zum einen nicht ausreichend sind und zum anderen das Problem nicht lösen. Wölfe tauchten erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten im Winter 1992/93 wieder in Frankreich auf. Sie gelangten von Italien über die Grenze und sorgen seither für Ärger.

In den Bergen hinter der Côte d'Azur gibt es nach den amtlichen Zahlen etwa ein Dutzend Wölfe, doch den Züchtern zufolge sind es drei- bis vier Mal mehr. Schützenhilfe bekamen die aufgebrachten Schafshalter im Oktober von einer Studiengruppe der Nationalversammlung. Die Abgeordneten kamen zu dem Schluss, der Schutz der Wölfe gemäß einem internationalen Abkommen von 1979 und einer EU-Richtlinie von 1992 sei unvereinbar mit der Schafzucht in den Bergen.

In dem Gutachten wurde unter anderem die Schaffung von Wolfsreservaten im Mercantour-Gebiet und in den Alpen vorgeschlagen sowie nahe gelegt, Ausnahmen von den internationalen Schutzbestimmungen zu machen. "Heute ist in der Bergwelt nicht mehr der Wolf, sondern der Mensch vom Aussterben bedroht, wenn ihm sein Leben dort vergällt wird", gab der Abgeordnete Daniel Chevallier von der sozialistischen Regierungspartei zu bedenken. Doch die Grünen von Umweltministerin Dominique Voynet wiesen die Empfehlungen der Studiengruppe entschieden zurück. Es sei unannehmbar, die Wölfe in Tierschutzparks einzusperren oder gar auszulöschen, sagte einer ihrer Abgeordneten, Guy Hascoët. Angebracht sei dagegen staatliche Hilfe, damit die französischen Schafshalter ihre Herden wie im benachbarten Italien durch speziell dressierte Hunde und nachts durch eingezäunte Koppel schützen könnten. Die Organisation Frankreich-Natur-Umwelt verurteilte das Gutachten als "Zeugnis für mangelhafte Sachkenntnis". Empört reagierte auch die Tierschutzstiftung der ehemaligen Filmschauspielerin Brigitte Bardot.
(Quelle Saarbrücker Zeitung v. 6.12.1999)

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bosnien / Durch den Krieg stieg die Population der Wölfe wieder stark an

Isegrim heult wieder in den Bergwäldern

Das Land hofft auf Jagdtouristen, aber die fürchten sich vor verminten Gebieten

Seit Kriegsende vor vier Jahren hat die Zahl der Raubtiere in Bosnien erheblich zugenommen, Meldungen über gerissenes Vieh häufen sich. Mit Hilfe zahlungskräftiger ausländischer Jäger wollen die Jagdgesellschaften den Wolfsbestand reduzieren.

RAIMUND WEIBLE

bugojno· Die Straße schlängelt sich hinauf auf eine kleine, mit Kiefern bewachsene Anhöhe. Müll und Schutt säumen den Straßenrand. Vom Plateau aus ein schöner Blick auf Bugojno, eine Kleinstadt 70 Kilometer westlich von Sarajevo.Aber deswegen stehen wir nicht auf diesem Hügel. Bugojnos Förster wollen uns Josip Titos Jagdvilla zeigen. Oder das, was davon übrig geblieben ist. Der Komplex, groß wie ein 100-Betten-Hotel, ist völlig ausgebrannt. Von diesem Palast aus unternahm der Marschall, manchmal mit Gästen wie Rumäniens Nicolae Ceaucescu oder Libyens Mu· ammr al-Gaddafi, seine Jagdausflüge in die Berge von Bugojno.

Der 1980 gestorbene Staatspräsident machte Bugojno zum berühmtesten Jagdrevier von ganz Jugoslawien. Mit seinen Jagdkameraden legte der Präsident im Radusa-Gebirge auf exotische Tiere an: Schwarzbären und Wölfe. Auch zahlende Jagdtouristen durften vor dem Krieg Bären und Wölfe schießen.

Jetzt, vier Jahre nach dem Bosnien-Krieg, wünschen die einheimischen Jagdgesellschaften, dass die Jagdtouristen wieder ins Land kommen. Mustafa Bastic, Direktor der Jagdgesellschaft von Bugojno, umwarb dieses Jahr bereits auf der Leipziger Messe ausländische Jagdveranstalter. Mit 2000 Mark sind sie die Gäste dabei. So viel kostet der Abschuss eines einjährigen Wolfs. Für ein zweijähriges Tier berechnet Bastic doppelt so viel. Doch ob die Reklame Erfolg hat, ist zweifelhaft. Berichte über verminte Wälder schrecken Touristen ab.

In den Bergwäldern von Bugojno wurden vor dem bosnischen Krieg gerade fünf bis sechs Wölfe pro Jahr geschossen. ¸¸Damals war ein Wolfsjäger noch ein richtiger Jäger'' sagt Ismet Zeceviz, der stellvertretende Direktor des Forstbetriebs von Bugojno. Inzwischen ist der Abschuss der Wölfe keine Seltenheit mehr. Sie haben sich enorm vermehrt. Und seitdem jedes Jahr 40 Wölfe zur Strecke gebracht werden, haben die Wolfsjäger ihre Ausnahmestellung verloren. Zeceviz fast verächtlich: ¸¸In jedem Dorf gibt es einen.'' Die bosnischen Förster sehen die Zunahme der Wölfe zum einen als Folge einer Wanderbewegung der Tiere von Russland in Richtung Balkan. Doch der Hauptgrund sind die zerstörten Bergdörfer in Bosnien. Ganze Landstriche wurden durch den Krieg entvölkert. Ein Vakuum entstand, das die Wölfe in kurzer Zeit füllten.

Sie vermehrten sich rasch, weil ihre Ernährungssituation günstig ist. Auch eine Folge des Krieges. Die Flüchtlinge ließen viele Haustiere zurück. Verwilderte Kaninchen und anderes Kleinvieh sind eine leichte Beute für die Wölfe. Darauf beschränken sich die Wölfe selbstverständlich nicht. Meldungen über gerissene Schafe häufen sich. ¸¸Jedes Dorf ist betroffen'', sagt Zeceviz.

Geklagt über den Wolf wird auch im Konjuh, dem Mittelgebirge 50 Kilometer nördlich von Sarajevo. Der Forstbetrieb Miljevica verfügt zwar im Konjuh über das Jagdmonopol. Aber inzwischen nahmen die Schadensfälle derart zu, dass Reuf Avdibasic, der Chef des Forstbetriebs, nichts dagegen hat, wenn die Bauern am Rande ihrer Siedlungen zur Selbsthilfe greifen. ¸¸Es würde genügen, wenn es hier drei Wölfe gäbe'' sagt Avdibasic, ¸¸zwölf Tiere sind einfach zu viel.'' Im vergangenen Jahr hat ein einziger Wolf an einem Tag gleich zwanzig Schafe gerissen - ein herber Verlust für einen Hirten, der unter schwierigen Umständen dabei ist, seine Herde aufzubauen.

Selbst im Bjeslavica-Gebirgszug bei Sarajevo, wo sich die Skiabfahrt und die Sprungschanzen der Olympischen Spiele von 1984 befinden, hat zur Freude der Tierschützer und zum Ärger der Hirten der Wolf wieder Fuß gefasst.

Budinpotok Palez, beim Forstbetrieb Miljevica verantwortlich für die Baumschulen und die Jagd, führt uns zu einer Jagdkanzel am Schwarzen Fluss. Auf dem Platz davor sind Maiskörner ausgestreut, um Wildschweine anzulocken. Der Boden ist über und über mit ihren Spuren bedeckt. Eine Wolfsspur ist keine zu entdecken. ¸¸Der Wolf kommt, ohne Spuren zu hinterlassen'' erläutert Palez, ¸¸er schleicht sich über den Bach an.''Aber da - ein riesiger Abdruck im Boden. Keine Frage - ihn hat ein Bär hinterlassen.


(Quelle Südwestpresse v. 20.11.1999)

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Scheue Wölfe, aggressive Hunde

Menschen fürchten die Rückkehr des wilden Isegrim,
doch zahme Vierbeiner richten weitaus mehr Schaden an

Von Wiebke Rögener

Der Wolf hat, ob er nun Rotkäppchen respektive die sieben Geißlein verspeist oder im Horrorfilm als Werwolf in Erscheinung tritt, einen festen Platz in der Mythologie des Bösen. Versuche, dieses in Europa vom Aussterben bedrohte Raubtier wieder einzubürgern, oder wenigstens dort, wo er sich von selbst einfindet, nicht erneut auszurotten, werden von Teilen der Öffentlichkeit daher misstrauisch beäugt. Eine Umfrage der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe ergab: Gut die Hälfte der Interviewten unter 40 Jahren befürwortete zwar, dass Wölfe in Deutschland unter Schutz stehen. Ältere sind noch skeptischer. Mehr als 40 Prozent aller Befragten fürchten jedoch, die Untiere könnten bei einem Waldspaziergang ihren Kindern gefährlich werden.

Der domestizierte Nachfahre des Wolfes dagegen gilt, ob nun Schoß- oder Schutzhund, als des Menschen bester Freund. „Tatsächlich werden aber weltweit sehr viel mehr Menschen durch Hunde angegriffen und verletzt als durch ihre wilden Vorfahren“, so der Hundetrainer Günther Bloch kürzlich auf dem ersten internationalen Symposium über Caniden – also hundeartige Raubtiere – in Bergisch-Gladbach. Bloch berichtete über ein „erschreckend hohes Aggressionspotential“ vieler Hunde. Von 510 Haushalten mit Hund habe es in 382 Fällen Probleme durch angriffslustiges Verhalten des Tieres gegeben, fasst Bloch eine Umfrage unter Kollegen zusammen.

Allein etwa 3500 Briefträger werden jährlich von Hunden gebissen. Kommunikationsprobleme zwischen Herrchen oder Frauchen und dem geliebten, aber oft nicht verstandenen Vierbeiner, mangelnde Auslastung der Tiere sowie völlig unangemessene Privilegien der Hunde im Haushalt nannte Bloch als Ursachen für Aggressionen. Nicht selten führe das unakzeptable Verhalten des Hundes den Besitzer in die soziale Isolation. „Und dieser meint dann noch, die fernbleibenden Bekannten und Verwandten seien Schuld, weil sie eben nichts von Hunden verstünden.“

Wie sich Hunde mit Menschen und untereinander verständigen, untersuchte Dorit Feddersen-Petersen von der Universität Kiel. Sie ging der Frage nach, ob Bellen eine eher unspezifische Lautäußerung ist, die allgemein Aufgeregtheit widerspiegelt oder ein differenzierteres Kommunikationsmittel. Die Verhaltensforscherin maß Frequenz und Amplitude des Gebells und fand, je nach Rasse, zwei bis acht unterschiedliche Laute, die sich Situationen wie Spiel, Erkundung, Fürsorge oder Begrüßung zuordnen lassen. Wölfe zeigen viele dieser Laute nur im Welpenalter. Die erwachsenen Wölfe, so Feddersen-Petersen, verständigen sich vorwiegend durch Körpersprache und Mimik. Diese aber sei bei vielen Hunderassen stark eingeschränkt: Eine zusammengedrückte Schnauze, Hängeohren oder eine stets in kummervolle Falten gelegte Stirn machten viele wolfstypische Signale unmöglich. Manche Hunderassen könnten daher kein funktionierendes Sozialleben in Gruppen entwickeln. Denn das Bellen ersetze die verlorene Zeichensprache zwischen Artgenossen nicht. Was von manchem nur als lästige Kläfferei empfunden werde, diene vor allem der Zwiesprache mit dem Menschen.

Bello auf die Couch

Mit Verständigung zwischen Herrn und Hund steht es dennoch nicht immer zum Besten. Wo der Vierbeiner sich vom Arbeitsgefährten zum Gesellschafter wandelt, wachsen die emotionalen Erwartungen an das Tier. „Das führt dazu, dass Tiere es immer schwerer haben, ihr Leben mit dem Menschen zu teilen“, glaubt Peter Neville vom britischen Verband der Verhaltenstherapeuten für Haustiere. Nervosität, Trennungsängste und Aggressivität der Tiere nähmen zu und seien oft nur mit Hilfe von Verhaltenstherapie und Psychopharmaka zu bewältigen.

Die Behauptung, die meisten Leute kämen gut zurecht mit ihren Hunden, stimme einfach nicht, meint auch Günter Bloch. Nicht selten seien nicht die Hunde, sondern die Hundehalter therapiebedürftig. Und „mindestens 50 Prozent der Hunde passen nicht zu den Menschen, die sie haben.“ Wer sich etwa einen der gerade modernen großen Hirtenhunde zulege, rechne oft nicht mit dessen ausgeprägtem Territorialverhalten.

Denn nicht für die Etagenwohnung oder zur Verschönerung des Vorgartens wurden diese Rassen gezüchtet. Sie schützten Viehherden vor Raubtieren. Anders als Hütehunde, die die Herden gemeinsam mit dem Hirten lenken, leben die Schutzhunde vom Welpenalter an ständig mit den Schafen zusammen und verteidigen die Herde. Könnten sie sich darüber Gedanken machen, hielten sie sich womöglich selber für Schafe. Vielerorts verzichteten die Viehhirten mit dem Rückgang der Wölfe auf die massigen Schutzhunde. Doch seit Wölfe nicht mehr geschossen, vergiftet oder in Fallen gefangen werden dürfen, nehmen in extensiv gehaltenen Schaf- oder Ziegenherden die Verluste zu.

Daher bemühen sich neuerdings Ökologen, die alten Schutzhundrassen bei Viehhaltern wieder populär zu machen. So gibt in Portugal das Nationale Institut für landwirtschaftliche Forschung Welpen von Herdenschutzhunden an Hirten ab. Das Projekt, über das der Ökologe Fernando Petrucci-Fonseca von der Universität Lissabon berichtete, verfolgt zwei Ziele: Es soll den gesetzlichen Schutz der vom Aussterben bedrohten Wölfe für Viehzüchter akzeptabel machen. Gleichzeitig werden so auch traditionelle Hunderassen, wie der Cao da Serra da Estrela oder der Rafeiro do Alentejo erhalten.

Ob und in welcher Zahl in Deutschland Wölfe wild leben, ist unklar, so der im Bayerischen Wald mit Wölfen arbeitende Erik Zimen. Denn die Tiere sind ausgesprochen scheu. Undenkbar, dass Wölfe hier zu Lande unmittelbar im Umkreis menschlicher Siedlungen vorkommen und bei der Nahrungssuche urbane Gebiete durchstreifen, wie es Ovidiu Ionescu aus dem rumänischen Brasov berichtete. Nur als Grenzgänger aus Tschechien oder Polen sind Wölfe in der Bundesrepublik eindeutig nachgewiesen. Doch Jäger schätzen die Konkurrenten nicht. Und so wird etwa ein im Grenzgebiet zu Polen auftauchender Wolf schon mal „aus Versehen“ erschossen.

Fremdling verzweifelt gesucht

In Westpolen, wo er bereits ausgestorben war, ist Isegrim inzwischen wieder heimisch geworden. In den 50er Jahren gab es in ganz Polen weniger als 100 Wölfe, legte Henryk Okarma von der Universität Krakau dar. Erst 1997 wurde das seltene Raubtier dort völlig unter Schutz gestellt. Doch illegale Jagd und Viruserkrankungen halten die Zahl der Tiere weiterhin gering. In Schweden wo seit den 80er Jahren auch im Süden des Landes wieder Wölfe leben, wächst die Population ebenfalls nur langsam, berichtete Björn Ljunggren von der Swedish Carnivore Association.

Ein Hauptproblem sind genetische Schäden durch Inzucht. Der österreichische Genetiker Hellmuth Wachtel widersprach in seinem Vortrag der Annahme, Paarungen unter nahen Verwandten seien bei Wölfen ohnehin üblich und daher nicht Besorgnis erregend. Genetische Analysen zeigten, dass unter natürlichen Bedingungen die Alpha-Paare, also die Leittiere, meist nicht verwandt sind. Doch bei zu kleinen Gruppen und zerstückelten Lebensräumen finden Wölfe nur noch schwer fremde Partner. Studien in Zoos ergaben, dass die Tiere nach mehreren Inzucht-Generationen unter ernsten genetischen Störungen leiden. Das könnte die hohen Verluste durch Krankheiten erklären, da durch Defekte im Erbgut die Abwehrkräfte sinken. Der Urahne aller bellenden Vierbeiner bleibt also gefährdet – und weit weniger gefährlich als seine domestizierten Nachfahren.

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Wolfsschützer sehen Platz
für etwa 200 Wölfe in Deutschland

Von Matthias Schröter, dpa

wolfKöln (dpa) - Tausende von grauen Wölfen heulen durch Europa: Und auch in Deutschland soll das Raubtier wieder heimisch werden. Dafür tritt die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (Bad Münstereifel) ein. Günther Bloch, Geschäftsführer der Gesellschaft, will erreichen, dass immer mehr Tiere nach Deutschland einwandern. An Oder und Neisse und im Bayerischen Wald sei Platz für viele Rudel. Rund 200 Tiere könnten in den nächsten Jahren Lebensraum in der Bundesrepublik finden.

Um den Wolf wieder heimisch zu machen, müsse man beispielsweise an Schäfer Kompensationszahlungen für gerissene Schafe und Lämmer leisten. «Sonst kocht die Seele hoch», meint Bloch. Wölfe leisten nach seiner Ansicht der Natur einen besseren Dienst als die Jäger. Die Tiere könnten den Bestand an Rehen, Wildschweinen oder Hirschen besser kontrollieren. «Jäger sind Trophäensammler», sagt Bloch. Die Wölfe hingegen rissen vor allem schwache, kranke und alte Tiere. Der Wolf gehöre zur mitteleuropäischen Tierwelt und sei ein Kulturgut.

Inzwischen habe sich durch Filme wie «Der mit dem Wolf tanzt» (Kevin Kostner) die Akzeptanz des Raubtieres auch in der deutschen Gesellschaft verbessert. Nach intensiven Schutzbemühungen habe sich der Bestand in den vergangenen 20 Jahren in Europa wieder auf mehr als 20 000 Exemplare erholt, berichtet Bloch. Der weitaus größte Teil der Tiere lebe in Spanien und Russland. In Deutschland - hier war der Wolf 150 Jahre lang ausgestorben - sei die Zahl der Tiere in den vergangenen acht Jahren auf rund 20 angestiegen. Hin und wieder sei auch vor der Wende ein «Grenzgänger» von Polen in die DDR gewandert. Dort seien die Tiere aus Angst vor Tollwut abgeschossen worden.

Die Wolfs-Gesellschaft veranstaltet vom 28. bis zum 31. Oktober in Bergisch Gladbach bei Köln ein internationales Symposium zum Thema Caniden - also zu allen hundeartigen Tieren wie Wolf, Hund, Schakal, Kojote und Fuchs. Es ist nach Angaben der Veranstalter der erste Kongress dieser Art in Deutschland. «Mit dem Kongress, an dem 20 namhafte Referenten aus aller Welt teilnehmen, wollen wir auf den Wolf in Deutschland aufmerksam machen», sagt Bloch.

Die Tiere seien für Menschen völlig ungefährlich, vor allem «weil sie so scheu sind». Deshalb werden die Wölfe auch so selten gesehen. Dass Meister Isegrim überhaupt gelegentlich in Deutschland streunt, lässt sich meist nur an Pfotenabdrücken, Kot oder gerissenen Wildtieren ablesen.

Hauptsächlich wandert der Wolf laut Bloch durch die Gebiete an Oder und Neisse, seltener tauchen Spuren der Tiere in Bayerischen Wald auf. Die Wölfe kommen aus Polen und Tschechien. In Polen leben nach Angaben der Wolfs-Gesellschaft rund 600 Tiere, auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei rund 4 000. Der hohe Wildbestand in Deutschland biete Wölfen eine gute Nahrungsgrundlage, meint Bloch.

(Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung v. 28.10.1999)

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Erster Wolfsabend im Tierpark Kalletal - Dr. Neumann zeigte Unterschiede auf

Die Erziehung erfolgt gewaltfrei

Kalletal-Hohenhausen (ber).Ein "Feeling für Wölfe" vermittelte Tierpark-Chef Dr. Dirk Neumann den Besuchern beim ersten Wolfsabend im Tierpark Kalletal.

Die Teilnehmer sahen Neumann bei der Fütterung der Wölfe zu und erfuhren in einer Diaschau von der Entstehung der Wolfsschule und Wolfsdressur. Abgerundet wurde der Abend durch Sagen über "die Grauen" und Führungen zum Wolfsgehege bei Vollmond. Neu an der Konzeption dieses Angebots sei, dass man versucht habe, Interessierte nicht nur durch Informationen, sondern auch über Emotionen an das Thema Wölfe heranzuführen, so Neumann.

Seine Absicht, sei es zu zeigen, dass Menschen sich mit Tieren anfreunden könnten. Das bedeute aber nicht, sie auch zu beherrschen, betonte der Direktor. Im Tierpark solle für junge und ältere Zuschauer der Spaß am Zuschauen vermittelt werden. Wölfe eigneten sich für diese Begegnungen gut.

In der Wolfsschule werden derzeit sechs Vierjährige von Neumann unterrichtet. Diese Dressur sei nur möglich, weil er die Tiere in ihren ersten Lebenswochen bekommen und mit der Flasche groß gezogen habe, erläuterte der Direktor, der auch Fachtierarzt für Zoo- und Wildtiere ist. Die Erziehung der Wölfe erfolge gewaltfrei.

Das angeborene Mißtrauen dieser Wildtiere zu überwinden, sei der schwierigste Teil des intensiven und mühsamen Lernprogramms, dem er bereits die Jungtiere unterziehe, beschrieb Neumann. Dieser Abbau der natürlichen Scheu sei die Voraussetzung, um überhaupt weiterhin mit ihnen umgehen zu können. Besonders wichtig für Vorführungen im Tierpark sei außerdem, dass die Wölfe auch zu Fremden Vertauen gewinnen.

"Nur der wirkliche Tiermensch kann fühlen, wieviel mehr Wildheit im Wolf brodelt als beispielsweise im Hund", beschrieb Neumann den Zugang zu seinen "Schülern". Er werde durch die Beschäftigung mit ihnen für die Wölfe zwar zur Vertrauens- und Respektsperson, dennoch werde er nicht als zum Rudel gehörig anerkannt. Wölfe blieben auch im Tierpark Wildtiere, handelten instinktgebunden und zeigten keine extreme Form der Zuneigung wie Hunde. Allerdings gebe es Übergangsformen im Verhalten von besonders toleranten und zutraulichen Ausnahmetieren, die dafür allerdings von ranghöheren Tieren im Rudel gemaßregelt würden. Da selbst innerhalb einer Geschwistergruppe die Talente sehr unterschiedlich verteilt seien, sei es seine Aufgabe, die Wölfe gemäß dieser Individualität auszubilden, so der Direktor. Wölfe lernten sehr schnell - sie seien regelrecht "obereifrige Schüler" und begrüßten das Lernprogramm als willkommene Aktivität. Erzogen werde anhand von Stimme, Mimik und Gestik sowie Belohnungen bis Wölfe automatisch auf geringe Hilfen reagierten. Neumann begann vor fünfzehn Jahren mit der Wolfsdressur. Seit 1995 leitet er den Tierpark und bietet Besuchern tägliche Vorführungen mit den Stammvätern aller Hunderassen als Höhepunkt ihres Besuches an.
(Quelle: Lippische Landeszeitung v. 27.9.1999)

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Notplan gegen Wölfe gesucht

Verzweifelte Schafzüchter in Norwegen

    

Schafzüchter in der kleinen südnorwegischen Kommune Rendal sind verzweifelt. Am vergangenen Wochenende haben Wölfe in kurzer Zeit rund 30 Schafe gerissen. Jetzt wollen sie zusammen mit dem Direktorat für Naturverwaltung (DN) einen Notplan entwickeln, damit sich in dieser Saison derartige Raubtierüberfälle nicht mehr wiederholen. Bis vor wenigen Tagen noch waren die Bauern, die traditionell ihre Schafe frei in der Natur weiden lassen, von den Wölfen verschont worden. Unter den etwa 5000 Tieren gab es keine zehn Verluste durch Wölfe. «Für den Rest der Weidesaison sind gute und zahlreiche Wachmannschaften sowie Flutlicht notwendig», erläutert Stein Lier-Hansen, Direktor im DN. Ausserdem sollen schon jetzt Massnahmen für das kommende Jahr entwickelt werden. Denn die in Südnorwegen lebenden Wölfe - derzeit weniger als zehn - scheinen sich erfolgreich vermehrt zu haben, was die Viehzüchter mit Grauen erfüllt.

    Forderungen nach einer Dezimierung der grauen Raubtiere könnten aber, so Lier-Hansen, wegen des Schutzstatus der Tiere nicht erfüllt werden. Diskutiert werden jetzt Hochspannungszäune mit drei bis fünf Leitungen, wie sie in Schweden bereits in Gebrauch sind. Als erste Massnahme in diesem Jahr empfiehlt der DN, die Schafe vorzeitig zur Schlachtbank zu führen.
(Quelle: Neue Zürcher Zeitung v. 21.9.1999)

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Gericht beschäftigt sich mit Wölfen

Der höchstwahrscheinlich aus Polen eingewanderte Wolf war im Januar dieses Jahres von dem Osnabrücker Gastjäger Baron Ostmann von der Leye geschossen worden. Der Waidmann hatte bemerkt, dass das knapp 40 Kilogramm wiegende Raubtier auf einem Bein lahmte. Damit hatte er seinen Todes-Schuss gerechtfertigt.

Da der Wolf jedoch unter das Artenschutzabkommen fällt, hatte es zahlreiche Proteste gegeben, unter anderem vom NABU-Kreisverband sowie von Tierparkdirektor Helge Zabka. Auch das Landratsamt kam schließlich zu dem Schluss, dass der Abschuss illegal war und erstattete genauso wie das Bundesforstamt und die "Gesellschaft zum Schutz der Wölfe" Strafanzeige gegen Ostmann von der Leye.
(Quelle: Nordkurier-Online v. 21.9.1999)

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Der Regierungsrat ist bereit, wenn der Wolf in den Kanton Bern einwandern sollte.
Doch der Adelbodner EDU- Grossrat Erwin Burn zweifelt.


Der Grossrat Erwin Burn macht sich Sorgen. Denn: «Der Wolf hat in den letzten Monaten und Wochen die Landesgrenze überschritten.» Für Burn stellt sich damit die Frage: Hat der Regierungsrat bereits Vorkehrungen getroffen?
«Ich kann euch versichern, dass wir am Ball sind», versuchte Volkswirtschaftsdirektorin Elisabeth Zölch gestern die verunsicherten Grossräte aus dem Oberland und die Schafzüchter zu beruhigen.
Wenig verunsichert zeigte sich Bio-Bergbauer Emil von Allmen (SP, Gimmelwald), eher belustigt: «Dank Erwin Burn darf ich nach dem Luchs auch etwas zum Wolf sagen. Und im Hinblick auf die nächste tierische Diskussion habe ich bereits begonnen, mich über den Bär zu dokumentieren.»

Kein Schaden für Tourismus
Dass der Wolf dem Tourismus im Berner Oberland schaden könnte, wie Burn mutmasst, glaubt Fotograf Ernst Zbären (GFL, St. Stephan) nicht.
Im Gegenteil. Touristen jetteten doch überall hin, um noch etwas Natur erleben zu können. Und Zbären verneinte auch, dass der Wolf dem Menschen gefährlich werden könnte. Jedenfalls habe er zuhinterst im Val Ferret, wo Wölfe Schafe gerissen haben sollen, in freier Natur im Schlafsack übernachtet, ohne dass ein Wolf ihm etwas gemacht habe.
«Wir brauchen diese Motion nicht auf dem Tisch», sagte Elisabeth Zölch. Der Grosse Rat gehorchte, hiess die Motion gut und schrieb sie gleichzeitig ab.

(Quelle: Bieler Tagblatt v. 16.9.1999)
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wildtiere / Umweltschützer jubeln, Bauern und Hirten gehen auf die Barrikaden

In den Pyrenäen ist der Bär los

In den Vogesen treibt sich der Luchs herum, und in den Alpen bringt der Wolf die Schafzüchter auf die Barrikaden. In den Pyrenäen ist sogar der Bär los.

paris· Frankreichs Öffentlichkeit nimmt zurzeit staunend zur Kenntnis, dass eigentlich als ausgestorben geltende große Raubtiere wieder auf der Pirsch sind. Begünstigt durch die Expansion wildreicher Wald- und Buschflächen, die Landflucht sowie auch durch Wiederansiedlungs-Programme setzen Bären, Luchse und Wölfe zur Rückeroberung angestammter Gebiete an.

Doch was Umweltschützer als Sieg der Natur begrüßen, bringt Bauern und Hirten auf die Barrikaden. Sie fordern eine Überarbeitung der Artenschutz-Konvention von Bern, die ihnen die Jagd auf die zotteligen Gesellen verbietet. ¸¸Wolf und Schaf sind unvereinbar - der Frieden in den Alpen ist gefährdet'', macht der regionale Bauern-Verbandspräsident Gerard Seigle-Vatte öffentlich Stimmung.

Seit die Wölfe von 1992 an als ¸¸illegale Einwanderer'' aus Italien ins Land zogen, bangen die Hirten um ihre stattlichen Schafherden auf den satten Almwiesen rund um Grenoble. Auf 40 bis 50 Wölfe schätzt eine parlamentarische Kommission in Paris den Bestand. Obwohl die Wölfe kaum jemand gesehen hat, sind sie der Albtraum eines jedes wackeren Hirten, der Schrecken von Schafzüchtern, Bauernverbänden und Regionalpolitikern.

Immerhin: Was lange Zeit nur als Gerücht oder die Tat von wildernden Hunden abgetan wurde, ist seit vergangenem Jahr durch DNA- Spuren an gerissenen Lämmern wissenschaftlich dem Wolf nachgewiesen.

1200 gerissene Schafe wurden Meister Isegrim im vergangenen Jahr zur Last gelegt, für die die Schäfer insgesamt 1,5 Millionen Franc (450 000 Mark) an Entschädigung erhielten. Im Jura und den Vogesen sollen es die aus der Schweiz zurück nach Frankreich eingewanderten 120 Luchse sein, die 220 Schafe auf dem Gewissen haben. Die Pyrenäen-Braunbären hatten nach Angaben der Zeitung ¸¸Le Figaro'' dagegen mit 150 gerissenen Schafen nur bescheidenen Appetit.

Die Präfekten der betroffenen Regionen wollen sich dem Druck der Straße bisher nicht beugen. Sie setzen auf ein kostspieliges Programm, das neben einem bewachten Nachtlager für die Schafe in einem umzäunten Gelände die Finanzierung der besonders robusten Pyrenäen-Hunde vorsieht. Die schafsgroßen Tiere können es problemlos mit Bär und Wolf aufnehmen.dpa

(Südwest-Presse v. 4.9.1999)

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Dem Menschen zu ähnlich

Der Wolf wird wieder heimisch in der Schweiz -
und weckt uralte Phantasien zum Leben

«Rotkäppchen» gehört zu den berühmtesten Erzählungen der Gebrüder Grimm. Eine französische Fassung aus den Feenmärchen Perraults endet schlecht, im Gegensatz zur «jugendfreien» Grimm-Version: Das Mädchen wird vom Wolf gefressen. In Paris, wo Perraults Märchensammlung erschien, hatte man 1421 letztmals einen echten Wolf gesehen: aber sein schlechter Ruf hat das Tier überlebt.

In Werwölfe verwandelt

Was ist los im Verhältnis Mensch- Wolf? Seine besondere Natur spiegelt sich schon in den Fabeln über jene Menschen wider, die sich nachts in Wölfe verwandeln - auch Werwölfe genannt. Der Glaube an Werwölfe hat, besonders zu den Zeiten der grossen Hexenjagden, nicht wenigen Menschen das Leben gekostet. Zu Lüttich seien in Jahre 1610 zwei Zauberer hingerichtet worden, «weil sie sich in Werwölfe verwandelt und viele Kinder getötet» hätten, berichten gerade die unermüdlichen Brüder Grimm. Und am 31. Oktober 1589 wurde zu Bedburg am Niederrhein ein Werwolf hingerichtet. Ein Bauer namens Peter Stump hatte laut eigenem Geständnis 25 Jahre lang mit einer Teufelin «gebuhlt» und auch Blutschande mit seiner Tochter getrieben. 13 Kinder im Alter von sechs oder sieben Jahren, darunter seinen eigenen Sohn, tötete er in Wolfsgestalt und frass ihr Hirn. Der Wolf, so scheint es, bildet in der Überlieferung des christlichen Abendlandes eine Verkörperung des Bösen, die Teufel und Hexen an Bedrohlichkeit kaum nachsteht. Wie konnte es so weit kommen, zumal in einer Zeit, die die Wölfe Mitteleuropas längst ausgerottet hatte? Auch das antike Griechenland kannte die Vorstellung, dass Menschen sich in Tiere verwandeln - so soll der Überlieferung zufolge der König von Arkadien, Lykaon, vom wütenden Zeus in einen Wolf verwandelt worden sein, nachdem er ihm ein Gericht aus Menschenfleisch vorgesetzt hatte.

Der Sprung ins Mittelalter

Zweitausend Jahre später, im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa hingegen, erschien den Menschen die Verwandlung in einen Wolf als Ausweg, um «hemmungslos» Böses tun zu können - in fremder, tierischer Gestalt. Der Wandel könnte kaum grösser sein! Den Griechen war die triebhafte Grausamkeit der eigenen Natur offenbar noch sehr gegenwärtig - und gegebenenfalls Gegenstand strenger Bestrafung. Im christlichen Kulturkreis jedoch wurde diese Triebhaftigkeit «verdrängt»: Der Mensch nahm Tiergestalt an, um verschwiegene Seiten seines Wesens «ausleben» zu können.

Ein wahrer Vernichtungsfeldzug

Warum aber ist es gerade der Wolf, in dem sich die «Bestie Mensch» so schrecklich verkörperte? Zunächst ist festzuhalten, dass der Vernichtungsfeldzug des Menschen gegen die Wölfe überaus erfolgreich gewesen ist. Er begann im Mittelalter. Ab 813 liess Kaiser Karl der Grosse Wolfsposten errichten, und in allen europäischen Ländern wurden Prämien für jedes erlegte Tier bezahlt. Auf zeitgenössischen Darstellungen kämpft Jesus persönlich gegen einen Wolf. Der Biologe und Wolfsforscher Erik Zimen weist auf ein bezeichnendes Detail hin: «Auf vielen bildlichen Darstellungen sind die Wölfe zudem schwarz. Aber es gibt in Europa keine schwarzen Wölfe.» Der Wolf wurde vom europäischen Menschen christlicher Gesinnung also buchstäblich «eingeschwärzt». Nur aus der Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum heraus ist die sich verfestigende und verselbständigende Feindschaft des Menschen gegen den Wolf wohl kaum zu verstehen. Es muss hingegen ins Auge fallen, dass der Wolf - ganz im Gegensatz zum Sprachgebrauch mancher Philosophen wie etwa Hobbes, die mit dem Satz «homo homini lupus» einen gesetzlosen Naturzustand kennzeichnen wollen, in dem jeder gegen jeden kämpft (und den es so nie gegeben hat) - als sozial lebendes Tier dem Menschen und seinen Gesellungsformen eigentlich recht ähnlich ist. Die Vermutung, der Mensch habe den Wolf verteufelt, weil er in ihm seinen eigenen Charakter (wieder)erkennt, ist deshalb kaum von der Hand zu weisen. Eine ähnliche Todfeindschaft wie dem Wolf gegenüber hat der Mensch eigentlich nur im Verhältnis zur Ratte entwickelt, für die vermutlich Ähnliches gilt, die aber aufgrund ihrer körperlichen Kleinheit nicht als gleichwertig, nicht als «ebenbürtiger» Gegner empfunden wird.

Wolf und Bär

Man vergleiche das Schicksal des Wolfes mit dem des Bären. Dessen Bild wohnen ja gutmütige Züge inne («Meister Petz»), die den vom Menschen dressierten und beherrschten Bären zur drolligen Jahrmarktsattraktion werden lassen, was im Falle des Wolfes völlig unvorstellbar ist. Die einzelgängerische Art des Bären mag dies erleichtert haben. Der Wolf dagegen durfte keinen Platz dort beanspruchen, wo Menschen das Sagen haben. Und als er schon längst ausgerottet war, überlebte er als allzeit verfügbare Drohfigur, deren reale Rückkehr auch in die Schweiz jetzt ein derart gewaltiges Aufsehen verursacht.Till Bastian

(Tagblatt v. 2.9.1999)

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Neue Ziehmutter für drei Jungwölfe

Innsbruck - Drei Jungwölfe, die von ihrer menschlichen "Leitwölfin" im Alpenzoo Innsbruck eingewöhnt worden sind, soll nun die echte Wölfin Zora aus einem Schweizer Tierpark in die Selbstständigkeit führen. Die Zusammenführung mit den Jungwölfen habe auf Anhieb und problemlos geklappt, teilte der Alpenzoo Innsbruck gestern mit. Die bisherige Betreuerin, die Luxemburger Biologin Pascale Jüch, werde in Zukunft als befreundeter Mensch "ihrer" Wölfe akzeptiert. Die neue Ziehmutter musste laut Direktor Michael Martys wegen ernsthafter Rangkämpfe in ihrem altem Terrain aus dem Rudel entfernt werden. Siehe auch Projekt Innsbrucker Alpenzoo
(Quelle: Lienzer Dolomiten v. 1.9.1999)
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Ein Leben mit Bären, Wölfen und Luchsen

Wie sich Naturschützer die friedliche Koexistenz von Menschen und Raubtieren in Europa vorstellen

Kerstin Viering

Gibt es im dicht besiedelten Europa Platz für Bären und Wölfe? "Aus Raubtiersicht ja", meint Alistair Bath, Spezialist für Wildtiermanagement und Berater der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF). "Die Frage ist nur, ob der Mensch bereit ist, seinen Lebensraum mit Raubtieren zu teilen." Für ein solches Zusammenleben wirbt die britische Sektion des WWF. Sie hat die Federführung in einer europaweiten Kampagne inne, die Braunbären, Luchsen und Wölfen ein Überleben in Europa ermöglichen soll – und zwar mit Einverständnis der Bevölkerung.

In vielen Gebieten zwischen dem Mittelmeer und dem Polarkreis sind Großraubtiere heute entweder ganz verschwunden, oder es gibt nur noch kleine Bestände. Diese leben oft isoliert inmitten von Kulturlandschaften. Daher können sie leicht ausgelöscht werden – zum Beispiel durch Krankheiten.

Welche Zukunftschancen haben etwa die wenigen Braunbären in den Alpen? "Das ist schwer zu sagen, weil man wenig über die einzelnen Populationen weiß", sagt Thorsten Wiegand vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ). In einem Computermodell hat er versucht, das bruchstückhafte Wissen zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

Grundlage des Modells ist eine Landkarte, die zeigt, wo ein wandernder Bär auf Barrieren wie Autobahnen und dicht besiedelte Täler stößt. Der Computer berechnet, wie lange Bären in dieser Landschaft leben, wohin sie wandern und wie viel Nachwuchs sie haben. "So kann man abschätzen, wie sich die Tiere im Gebiet verteilen werden und wie sehr einzelne Populationen vom Aussterben bedroht sind", sagt Wiegand.

Derzeit leben Braunbären in fünf Alpenregionen. Neben der größten Population in Slowenien gibt es Bestände im italienischen Trentino, in den Nordostalpen in Österreich, in den Karnischen Alpen und den Karawanken. Die neuen Berechnungen aus Leipzig haben gezeigt, dass die Lage einiger Populationen kritischer ist, als gedacht.

Bisher ging man beispielsweise davon aus, dass in Österreich insgesamt 20 bis 25 Tiere leben. "Nach unserem Modell ist aber eine Zahl zwischen 8 und 15 viel wahrscheinlicher", sagt Wiegand. Anfang der neunziger Jahre hatte der WWF in Österreich drei Bären ausgesetzt, auf die der Bestand in den Nordostalpen zurückgeht. Die Simulationen haben gezeigt, dass Artgenossen aus Slowenien kaum eine Chance haben, dieses Gebiet zu erreichen. "Würde man dort mindestens vier weitere Bärinnen aussetzen, könnte man die Überlebenschancen der Population stark verbessern", so Wiegand.

Ähnliche Probleme wie beim Braunbären gibt es beim Europäischen Luchs und beim Wolf. Auch Kleinbestände dieser Arten kämpfen vor allem in Mittel- und Westeuropa ums Überleben. Seit einigen Jahren wandern allerdings Luchse aus Tschechien und Wölfe aus Polen nach Deutschland. Doch die Rückkehr der Räuber verläuft nicht konfliktfrei. "Raubtiere wecken starke Emotionen", sagt Alistair Bath. "Beim Management solcher Arten gibt es mehr politische als biologische Probleme", so der WWF-Experte.

Beispielsweise gab es Ärger, als 1994 einige Braunbären in der Nähe österreichischer Dörfer auftauchten, Schafe rissen, Obstgärten und Fischteiche plünderten. Das österreichische Umweltministerium ließ daraufhin einen Managementplan entwickeln. Dieser soll das Überleben einer Bärenpopulation sichern, die von der Bevölkerung akzeptiert wird. Der Plan schreibt zum Beispiel vor, dass Schafe nachts in den Stall getrieben oder durch Elektrozäune gesichert werden sollen. Hat der Räuber dennoch Erfolg, so erhält der Geschädigte Ausgleichszahlungen. "Wir bezahlen einen speziellen Bärenanwalt, der Öffentlichkeitsarbeit leistet und überall dort vermittelt, wo es Probleme mit Bären gibt", berichtet Günter Liebel vom österreichischen Umweltministerium.

Notorische "Problembären" versucht eine spezielle Eingreiftruppe mit Licht, Lärm und Gummigeschossen abzuschrecken. Notfalls werden sie getötet. Solche Tiere haben oft eine Vorgeschichte, an der der Mensch beteiligt ist. Bären sollten nicht lernen, menschliche Nähe mit Futter zu verbinden, sonst werden sie dreist und richten immer mehr Schäden an. "Füttern Sie keine Bären und lassen Sie Abfälle nicht herumliegen", warnt daher die Wildbiologische Gesellschaft München (WGM), die den Plan mit entwickelt hat. Viele Europäer müssten den richtigen Umgang mit Raubtieren erst wieder lernen, heißt es bei der WGM.

Das gilt aber nicht in Gebieten wie den rumänischen Karpaten, wo Raubtiere bis heute zum Alltag gehören. Dort leben mehr als 5 000 Bären, 2 500 bis 3 000 Wölfe und 1 000 Luchse – und das in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hunderttausenden von Schafen und mehr als fünf Millionen Menschen. Rumänische Schafzüchter kennen ihre Gegner und lassen daher ihre Herden von besonders scharfen Hütehunden bewachen. Diese Strategie könnte sich auch in anderen Gegenden bewähren.

In den Karpaten bietet sich die Chance, Wege zum Zusammenleben von Menschen und Raubtieren zu entwickeln. Dies hat sich das "Carpathian Large Carnivore Project" zum Ziel gesetzt. Das gemeinsame Forschungsvorhaben haben WGM und rumänische Forstverwaltung 1993 ins Leben gerufen. Fünf Bären und zwölf Wölfe laufen inzwischen mit Sendern um den Hals durch die Karpatenwälder, so dass die Wissenschaftler jederzeit wissen, wo die Tiere sich aufhalten. Aber nicht nur das interessiert die Forscher: Sie wollen auch erfahren, wie die Wölfe sich Menschen gegenüber verhalten und unter welchen Bedingungen sie wie viel Vieh töten. All dies ist wichtig, um Strategien zur Konfliktvermeidung ausarbeiten zu können.

Mit dem Slogan "Zu Wolf und Bär nach Transsilvanien" soll überdies der Öko-Tourismus angekurbelt werden. "In diesem Jahr erwarten wir mehr als hundert Teilnehmer", sagt Projektmitarbeiter Christoph Promberger von der WGM. Das bringe der Bevölkerung in den Karpaten etwa 70 000 Mark und "verhilft den Raubtieren zu einem besseren Image".

Das haben die Tiere auch dringend nötig. Denn der Mensch hat in den letzten Jahrhunderten alles darangesetzt, die "Wild- und Viehräuber" auszurotten. Warum sollte er ihnen also jetzt die Rückkehr gestatten? "Diese Tiere sind ein europäischer Beitrag zur weltweiten Artenvielfalt", argumentiert Alistair Bath. Es genüge nicht, sich für Tiger einzusetzen. Auch vor der eigenen Haustür drohten Raubtierarten zu verschwinden.

Dieses Risiko besteht vor allem beim Iberischen Luchs, den die Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdetste Katze der Welt ansieht. Forscher schätzen, dass er zwischen 1960 und 1990 rund 80 Prozent seines Siedlungsgebietes in Spanien und Portugal verloren hat. "Lynx pardinus" litt unter den Jägern, der Veränderung seines Lebensraums und dem Rückgang seiner Beutetiere.

Weniger als achthundert Luchse soll es noch geben. Mit jedem toten Tier gehen wertvolle genetische Informationen und damit ein Stück Anpassungsfähigkeit verloren. "Wenn der Trend anhält, wird der Iberische Luchs in der ersten Hälfte des nächsten Jahrhunderts verschwinden", warnt der spanische Biologe Miguel Delibes. "Das wäre peinlich für Europa, denn es wäre die erste gut dokumentierte Ausrottung einer Wildkatze auf unserem Kontinent."

Informationen über Reisen zu den Wölfen in Transsilvanien bieten die Wildbiologische Gesellschaft München in Ettal (0 88 22/92 12-0) und der Hamburger Verein "Vier Pfoten" (040/39 92 49-20; Reisetermine: 16. bis 24. Oktober und vom 31. Oktober bis 7. November).
(Quelle: Berliner Zeitung v. 25.8.1999)

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Luchs, Wolf und Bär haben eine starke Lobby

Die Gegner der Luchse, Wölfe und Bären sind zwar laut, aber in der Minderheit. Eine Repräsentativumfrage zeigt erstmals, dass die Räuber breit akzeptiert sind.

Die Meinungsumfrage der ETH Zürich und des Instituts für Soziologie der Universität Bern könnte nicht besser terminiert sein. Während sich Bauern und Behörden im Wallis, in Freiburg und im Bernbiet wochenlang über den Luchs und seine natürliche Lust auf Schaffleisch ereiferten, während Wachhunde, ja ein Wachesel gar, auf den Weiden postiert wurden und während Jäger ebenso entschlossen wie vergeblich dem schlauen Luchs Tito in Charmey FR und seinem Kumpan im Kandertal nachjagten, kristallisierte sich in der ersten repräsentativen Umfrage zum Thema ganz anderes heraus: Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung verteufelt den Luchs keineswegs.

Willi Zimmermann, ETH-Professor für Forstpolitik und Forstökonomie, und sein Team befragten landesweit 2018 Personen zu ihren Ansprüchen an den Schweizer Wald, 1422 in der Deutschschweiz, 411 in der Romandie und 185 in der italienischsprachigen Schweiz. Gefragt wurde neben vielem anderem, ob die Einwanderung von Wildtieren wie Luchs, Wolf und Bär geduldet werden solle oder nicht. Die Ergebnisse, die im Detail Ende Jahr publiziert werden, sind eindeutig: Beim Luchs sprachen sich 74 Prozent für die Duldung aus, beim Wolf 57, beim Bär 52. Der Luchs geniesst somit klar die höchste Akzeptanz, willkommen sind alle drei.

Sollen sie nur kommen

Dieses Ergebnis widerspricht diametral einer Schnellumfrage in Titos Jagdgründen, die der Freiburger Staatsrat Pascal Corminbœuf vor Monatsfrist präsentiert hatte (TA vom 17. Juli). In jener Befragung hatten sich 79 Prozent gegen die Wiederansiedlung des Luchses ausgesprochen und nur 20 Prozent dafür; 62 Prozent forderten mehr Abschüsse, falls der Bestand rasch steigt. Damit sollten die freiburgischen Bedenken in Bern unterstrichen und die Vernehmlassung zum Luchskonzept beeinflusst werden.

ETH-Professor Zimmermann ärgert es, dass mit unseriösen Umfragen Politik gemacht wird. Jene Befragung entbehre jeder wissenschaftlichen Methodik: Sie sei regional zu eng begrenzt, die Befragten seien nicht repräsentativ ausgewählt, und die Fragen seien teilweise suggestiv gewesen. Und es sei nicht kontrolliert worden, ob die Antworten in einer konzertierten Aktion zusammengekommen waren. Die eigene Umfrage dagegen sei absolut repräsentativ und mithin unpolitisch, sagt Zimmermann. Sie wurde zwar schon im Herbst 1997 gemacht, und immerhin rissen die Luchse seither nachweislich mehr als 260 Schafe und Ziegen. Dass die Befragung recht lange vor der Aufregung um Tito stattfand, tut den Resultaten laut Zimmermann keinen Abbruch, im Gegenteil: "Wir haben Grundeinstellungen zu Luchs, Bär und Wolf erhoben, solche Prägungen wechseln nicht mit jedem Biss."

Die regionale Auswertung der ETH-Umfrage fördert indes Überraschendes zu Tage. Man würde erwarten, dass die Räuber dort weniger akzeptiert sind, wo die potenzielle Betroffenheit oder Gefährdung grösser ist. Dem ist nicht so. Es spielt keine Rolle, ob die Befragten auf dem Land oder in der Stadt, im Alpenraum oder im Mittelland leben. Bei den Sprachregionen zeigt sich hingegen, dass der Luchs in der Deutschschweiz mit 77 Prozent freudiger begrüsst wird als in der italienisch- und der französischsprachigen Schweiz - aber auch dort wollen je 66 Prozent ihn dulden. Bei Bär und Wolf sind die Romands skeptischer, aber mit 50 und 56 Prozent immer noch eher für Duldung. Deutschschweizer begrüssen den Bär mit 52, den Wolf mit 56 Prozent.

Am raubtierfreundlichsten sind die italienischsprachigen Befragten: Mit Zweidrittelmehrheiten heissen sie Luchs, Wolf und Bär willkommen. Dies könnte daran liegen, dass sie aus italienischen Quellen mehr über das Verhalten von Wolf und Bär wissen, die in Italien schon länger wieder heimisch sind. "Ähnlich wie beim Luchs in der Schweiz hat sich in Italien auch bei anderen Raubtieren wohl ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt."

Wölfe und Männer

In der Auswertung nach Geschlecht zeigte sich, dass Männer klar raubtierfreundlicher sind als Frauen. So sind beim Luchs 79 Prozent der Männer, aber nur 70 Prozent der Frauen für die Duldung, beim Wolf ist das Verhältnis 62 zu 52 Prozent, beim Bär 58 zu 47 Prozent. Stephan Wild-Eck, der die Fragen ausgearbeitet hat, vermutet, dass Frauen eher Angst vor Raubtieren haben oder dass die Symbolik der Tiere bei ihnen eine andere Rolle spielt. Eine vertiefte Befragung der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, die derzeit konzipiert wird, soll dazu Antworten liefern. Herausfinden will man auch, weshalb die Akzeptanz der Raubtiere mit dem Alter sinkt. Dies könnte am unterschiedlichen Naturverständnis von jüngeren und älteren Menschen liegen. Nach Erklärungen ruft auch ein Resultat zur Raubtierakzeptanz, das einem aus einem anderen Bereich vertraut vorkommt: Je weiter rechts die Befragten politisch stehen, desto weniger wollen sie die Einwanderung dulden.

(Quelle: Der Tagesanzeiger v. 18.8.1999)


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An den Wolf als Täter glaubt (fast) niemand

Ein mysteriöser Schafriss lässt im Obersimmental die Gerüchteküche brodeln. Schon ist die Rede vom Wolf, der in der Region Lenk sein Unwesen treiben soll. Doch die Indizien deuten eher auf den Luchs.


Nachdem der Luchs in den vergangenen Wochen im Berner Oberland für Schlagzeilen gesorgt hat, sorgt nun ein neuer Schafriss im Obersimmental für wilde Spekulationen bei der Lenker Bevölkerung. Die bange Frage lautet: Treibt ein Wolf sein Unwesen?
Einem Schafhirten in der Region Oberlaubhorn sind fünf Tiere spurlos verschwunden. Letzte Woche hat man ein Schaf gerissen aufgefunden. Doch die Bissspuren hinterliessen einen widersprüchlichen Eindruck: Verletzungen im Bereich der Kehle des Schafs deuten auf einen Luchs hin, andere Verletzungen eher auf einen Wolf oder einen Hund.
Marco Giacometti, Leiter der Abteilung Wild- und Zootiere im Tierspital Bern, hat das tote Schaf untersucht. «Unterhalb des Kopfes fanden wir Blutungen, die für einen Luchs untypisch sind», bestätigte er gegenüber der BZ. Man habe aber «zu wenig Beweise gefunden, anhand derer man einen Luchsriss hätte ausschliessen oder gar einen Wolfsriss hätte bejahen können», sagte Giacometti. Vor Ort fehlten Spuren wie Haare oder Kot, welche eindeutig auf einen Wolf oder einen Hund hinweisen würden.

Bund und Kanton zahlen
Freuen über diese Diagnose kann sich der betroffene Schafzüchter: Denn tötet der Luchs oder der Wolf, zahlen Bund und Kanton je die Hälfte des Schadens. Je nach Abstammung und Alter des gerissenen Schafs kann der Züchter zwischen 300 und 1500 Franken geltend machen. Reisst jedoch ein wildernder Hund ein Schaf, so beginnt für den Geschädigten oftmals eine mühsame Suche nach dem Hundehalter, der für den Schaden aufkommen muss. Der Staat bezahlt in diesem Fall nichts. «Können - wie im vorliegenden Fall - die Bissspuren nicht eindeutig zugeordnet werden, so entscheiden wir im Zweifel für den geschädigten Schafzüchter», erklärt Peter Juesy, Jagdinspektor des Kantons Bern. Peter Juesy räumt ein, dass manche Schafzüchter allzuschnell den Luchs als Täter entlarven. «Deshalb überweisen wir in Zweifelsfällen das gerissene Schaf in das tierpathologische Institut, wo es untersucht wird», so Juesy.
Schaf- und Wildrisse durch streunende Hunde sind nämlich keine Seltenheit. Täglich würden im Berner Oberland Rehe und Hasen von Hunden gewildert, weiss Peter Juesy.

Wolf im Oberland?
Während die Behörden trotz Zweifeln in diesem Fall den Luchs als Übeltäter deklarieren, heulen andere weiter mit den Wölfen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Isegrimm bald die Fauna des Berner Oberlands bereichert, schätzen Fachkundige unterschiedlich ein.
Jean-Marc Weber von der Koordinationsgruppe Grossraubtiere «Kora» glaubt, dass sich die Population der Wölfe im Wallis erst etablieren müsse. Demgegenüber weist Peter Juesy darauf hin, dass sogenannte Erkundertiere sehr weit laufen könnten. Und welches Gebiet liegt vom Wallis her näher als das Berner Oberland?*
(Quelle: Berner Zeitung v. 4.8.1999)


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Wolfsplage in französischen Alpen

Gebirgsbauern fordern Hilfe von Regierung / Schon 300 Schafe gerissen

Paris (AFP/sm). Drei französische Bauernverbände haben die Regierung in Paris aufgefordert, gegen die Wolfsplage in den Alpen einzuschreiten. Schafzucht und der Schutz der Wölfe in den Bergen seien unvereinbar, hieß es in einem am Wochenende veröffentlichten gemeinsamen Aufruf. Allein im Departement Hautes Alpes sind im Juni und Juli 300 Schafe gerissen worden. Mehrere Züchter trieben ihre Herden deshalb vorzeitig von den Almen wieder ins Tal.
„Das grundlegende Recht, vernünftig seinen Lebensunterhalt zu verdienen und in Sicherheit zu leben, wird ganz einfach mit Füßen getreten“, hieß es in dem Appell der drei Verbände FNSEA, CNJA und FNO. Dieses Recht müsse schnellstens wieder hergestellt werden.

Am Rand einer stark befahrenen Landstraße in den Alpen stellten Schafzüchter am Samstag Tafeln mit den Zahlen der gerissenen Schafe auf, um Urlauber auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Der gaullistische Abgeordnete Patrick Olliert aus La Salle-les-Alpes, Vizepräsident der Nationalversammlung in Paris, stellte sich hinter die Forderung der Bauernverbände und verlangte von der Regierung sofortiges Eingreifen.

Tierschützer machen dagegen geltend, ein guter Teil der Schafe werde nicht von Wölfen, sondern von streunenden Hunden angegriffen. Wölfe tauchten in Frankreich erstmals nach 30 Jahren im Winter 1992/93 wieder auf. Sie gelangten von Italien in den Mercantour-Naturpark im Hinterland von Nizza. In den französischen Alpen wird ihre Zahl derzeit auf 20 bis 30 geschätzt. Seit 1994 sind sie geschützt und dürfen nicht erlegt werden. Außer Schafen greifen sie auch Gämsen und Wildschweine an.

Ein Gutachten, das von den französischen Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft in Auftrag gegeben wurde, empfahl im März unter anderem besseren Schutz der Herden durch elektrische Zäune, speziell ausgebildete Hunde und die ständige Anwesenheit eines Schäfers.
(Quelle: Lausitzer Rundschau v. 2.8.1999)

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Französische Gebirgsbauern fordern Maßnahmen gegen "Wolfsplage"

Paris, 1. August (AFP) - Drei französische Bauernverbände haben die Regierung in Paris aufgefordert, gegen die "Wolfsplage" in den Alpen einzuschreiten. Schafzucht und der Schutz der Wölfe in den Bergen seien unvereinbar, hieß es in einem am Wochenende veröffentlichten gemeinsamen Aufruf. Allein im Departement Hautes Alpes im Juni und Juli 300 Schafe gerissen worden. Mehrere Züchter trieben ihre Herden deshalb vorzeitig von den Almen wieder ins Tal. "Das grundlegende Recht, vernünftig seinen Lebensunterhalt zu verdienen und in Sicherheit zu leben, wird ganz einfach mit Füßen getreten", hieß es in dem Appell der drei Verbände FNSEA, CNJA und FNO. Dieses Recht müsse schnellstens wiederhergestellt werden.
(Quelle: Der Patriot v. 1.8.1999)


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Es war wieder der Wolf

Sitten. - Im Val de Dix im Wallis ist Mitte Juli tatsächlich ein Wolf umgegangen. Dies ergaben Kot-Analysen auf der Alp Alleves, wie es am Donnerstag beim Walliser Jagdinspektorat hiess.

Es wird vermutet, dass der Wolf auf der Alp 15 Schafe gerissen hat (TA vom Samstag). Ob es sich um den Anfang Juni bei Veysonnaz beobachteten Wolf handelt, ist unklar. Erst die endgültigen Untersuchungsergebnisse würden darüber Aufschluss geben, sagte eine Sprecherin vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft.

Im Wallis sorgen Wölfe seit über drei Jahren für Aufregung. 1996 hatte ein als "Bestie vom Val Ferret" bekannt gewordenes Tier rund 120 Schafe gerissen. Im letzten Januar wurde ein Wolf unter mysteriösen Umständen bei Schneeräumungsarbeiten auf dem Simplonpass überfahren. (AP)
(Quelle: Tagesanzeiger v. 23.7.1999)


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Von Wölfen und Elchen

Räuber können Populationsgrösse von Beutetieren stabilisieren

Die Grösse von Wildtierpopulationen schwankt im Verlaufe der Zeit mehr oder weniger markant auf Grund von Wechselwirkungen mit anderen Arten sowie sich ändernden Umweltbedingungen. Da die meisten Ökosysteme komplex strukturiert sind, können jedoch Populationsschwankungen nur in den seltensten Fällen eindeutig auf bestimmte Ursachen zurückgeführt werden. Ausnahmen gibt es allerdings: So sind etwa auf der im Lake Superior gelegenen Isle Royal die Wechselbeziehungen zwischen den Tierarten wesentlich überschaubarer, wurde die 544 Quadratkilometer grosse Insel doch nur von einem Drittel der auf dem Festland vorkommenden Säugetierarten besiedelt. Bis vor hundert Jahren fehlten grössere Tiere auf der Isle Royal sogar vollständig.

    Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde der Mikrokosmos von Elchen kolonialisiert, die über den zugefrorenen See auf die Insel gelangten. Um 1950 wanderte zudem ein Wolfspaar ein, worauf amerikanische Ökologen die einmalige Gelegenheit ergriffen, die Beziehung zwischen Wölfen und Elchen bei Abwesenheit von anderen nennenswerten Räuber- und Beutearten zu dokumentieren. Der vollständige Datensatz der seit 1959 festgehaltenen Populationsschwankungen der beiden Arten wurde nun von Rolf Peterson von der School of Forestry and Wood Products der Technischen Universität Michigan präsentiert. Die Daten sind nicht nur von wissenschaftlichem Wert, sondern auch für die Naturschutzpolitik von Interesse.

   Die relativ milden Jahre zwischen 1959 und 1968 führten zu einem Anstieg der Elchpopulation von 600 auf 1500 Tiere. Der Wolfbestand blieb in diesem Zeitraum hingegen mit rund 24 Tieren stabil. Erst die harten Winter der Jahre 1969 bis 1972 stoppten das Wachstum der Elchpopulation: die geschwächten Tiere wurden leichte Beute für die Wölfe, die ihren Bestand bis 1979 auf das Rekordhoch von 50 Tieren verdoppeln konnten, während die Anzahl Elche stetig sank. Diese Beobachtung zeigt, dass Prädation ein limitierender und stabilisierender Faktor für herbivore Tiere sein kann. Sie widerspricht der zur Imageaufbesserung der Wölfe verbreiteten Annahme, räuberische Tiere hätten keinerlei Einfluss auf die Populationsgrösse der Beute. Es gibt im Tierreich zwar durchaus Wechselbeziehungen, wo Räuber nicht die Ursache für Rückgänge von Beutepopulationen sind; eine Verallgemeinerung solcher Befunde entspricht aber nicht der Realität. Die Dichte der Elchpopulation jedenfalls wird von den anwesenden Raubtieren zumindest mitbestimmt. Unterstützt wird diese These durch Petersons Beobachtung, dass an verschiedenen Orten in Alaska und Kanada die Grösse der Elchbestände dann ein tiefes Niveau erreicht, wenn zusätzlich zum Wolf noch weitere Prädatoren wie Braun- und Schwarzbär anwesend sind.

Der Mangel an Elchen führte ab 1980 zum Zusammenbruch des Wolfbestandes: 1982 konnten lediglich noch 14 Raubtiere gezählt werden. Die Elche nutzten die Gunst der Stunde und vermehrten sich ungehemmt, bis sie 1996 die Rekordmarke von 2412 Tieren erreichten und dabei mit der Überweidung der Vegetation ihre eigene Nahrungsgrundlage zerstörten: Eine Hungersnot führte ein Jahr später zum Tod von 80 Prozent aller Elche. Die Katastrophe wäre vermeidbar gewesen, hätten die Wölfe wie in den siebziger Jahren vom Beuteüberfluss profitiert, was zumindest eine Stabilisierung der Elchpopulation zur Folge gehabt hätte. Die Wolfsrudel waren aber nicht in der Lage, ihre Fortpflanzung zu steigern.

Peterson ging dem Rätsel auf die Spur und entnahm mehreren Wölfen Blutproben. Die genetischen Analysen ergaben, dass die Wölfe an ausgeprägter Inzucht litten. Dies stellt die Nationalparkbehörde der Isle Royal vor ein Dilemma: Auf der einen Seite gilt in amerikanischen Nationalparks die Politik des «hands off», auf der anderen Seite müssten dringend neue Wölfe eingeführt werden, um das Ökosystem vor einer erneuten unkontrollierten und zerstörerischen Vermehrung der Elche zu bewahren.

Aus den Resultaten ergeben sich weitere Konsequenzen für das Management von Schutzgebieten. Den Einfluss der Räuber auf ihre Beute bzw. der Beute auf die Vegetation vor Augen, taucht unweigerlich die Frage auf, wie es denn um die Natürlichkeit von Ökosystemen steht, in denen Karnivoren seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten fehlen. Die höhere Dichte an herbivoren Tieren hat mit Sicherheit Auswirkungen auf unzählige Lebensgemeinschaften. In den USA ist diese Feststellung insofern von Bedeutung, als dort im Yellowstone-Nationalpark Wölfe ausgesetzt wurden. Diese Aktion stiess auf beträchtliches Unverständnis. Der Hinweis auf die Bedeutung von karnivoren Tieren für die Ökosystemfunktionen liefert hier eine wertvolle Argumentationshilfe.

Beachtung sollte man der Studie aber auch in Europa schenken. Während viele Nationalparks Nordamerikas zumindest eine der vier grossen Raubtierarten beherbergen - nämlich Braunbär, Schwarzbär, Puma oder Wolf -, sind viele Schutzgebiete in der Alten Welt zum Teil seit Jahrhunderten frei von grossen Prädatoren. Dies gilt auch für den Schweizer Nationalpark, in dem nicht einmal der Luchs zu Hause ist.
(Quelle: Neue Zürcher Zeitung v. 21.7.1999, Gregor Klaus)

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Ist der Wolf wieder da?

Sitten. - Zwei Schafherden sind am vergangenen Wochenende im Val des Dix im Wallis von einem Raubtier heimgesucht worden. 15 Schafe wurden gerissen, rund 20 flohen und konnten erst nach drei Tagen wieder gefunden werden. Verdächtigt wird ein Wolf. Diese Hypothese wird auch durch die Tatsache gestützt, dass sich am 3. Juni ein Wolf auf den Höhen rund um Veysonnaz herumtrieb.

Auf Grund von Spuren konnte festgestellt werden, dass dieser Wolf aus Italien zugewandert war. Von Veysonnaz, wo er gesichtet wurde, bis ins Val des Dix sind es kaum zehn Kilometer Luftlinie.

Auszuschliessen ist allerdings auch nicht, dass die Schafe von einem streunenden Hund oder gar von einem Luchs gerissen wurden.

Schon 1995 und 1996 hatten Wölfe im Val Ferret mehr als 100 Schafe gerissen. Ende 1998 riss ein Wolf in der Region Simplon etwa 20 Schafe. Er fand im Januar unter einem Schneeräumungsfahrzeug den Tod. Ein weiterer Wolf wurde im Dezember in Reckingen erschossen. (SDA)

(Quelle: Tagesanzeiger vom 17.7.1999)

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Einige Walliser Schafhalter bereiten sich
mit Schutzhunden und -eseln auf die Ankunft von Wölfen im Wallis vor.


Nebst klassischen Rassen wie dem Pyrenäenberghund
eignet sich auch der Bernhardiner.


"Eigentlich mag ich keine Hunde», sagt Olivier Sarrasin, guckt aber stolz zu «Orlando», seinem Pyrenäenberghund, und dessen kleinen Gefährtin «Praline». «Ich war gegen Schutzhunde», bekräftigt der Bauer und Bergführer aus Praz-de-Fort im Val Ferret. «Aber wenn der Wolf kommt, müssen wir etwas unternehmen.» Darum besorgte ihm Jean-Marc Landry, der Hirtenhundspezialist beim Projekt «Wolf Schweiz», im letzten Herbst einen Welpen aus den Pyrenäen, der nun mitten in der Schafherde aufwächst.

Zum sofort wiedererwachten Stolz seines Besitzers führt «Orlando» vor, dass er heute ein verlässlicher Schutzhund ist. Er geht jedem Geräusch nach und verbellt die Hunde von Spaziergängern; er bleibt immer bei der Herde, egal, was jenseits des niedrigen Hags auch locken mag, und die kleine Hündin «Praline» tut es ihm nach. «Ich würde die beiden nicht mehr hergeben!», sagt Sarrasin, der täglich Futter bringt und sonst die 120köpfige Schafherde in der Obhut der Hunde belässt. Auf der Alp wird er sie noch nicht einsetzen, denn er beschränkt sich dort auf wöchentliche Kontrollgänge.
Claude und Martine Lathion sind noch etwas experimentierfreudiger. Sie halten den Esel «Chico» bei der Schafherde, was bei der Abwehr von Wölfen und anderen Störefrieden durchaus Sinn macht. «Esel sind neugierig, sie gehen jedem Geräusch nach - und sie machen Lärm», erklärt Jean-Marc Landry. «Ausserdem mögen sie nichts Hundeartiges, was ideal ist gegen Wölfe.» «Chico» macht freilich eine Ausnahme: Er akzeptiert den Bernhardiner «Arco» als Schutzhund und verträgt sich auch mit den Collies, welche die Lathions als Hirtenhunde zum Zusammentreiben der Herde einsetzen. Lathions wollten unbedingt einen Bernhardiner. Kein Wunder, ist diese alte Rasse im Hotel der Familie Lathion an der Strasse zum Grossen St. Bernhard doch das Hausmaskottchen.
Bernhardiner als Herdenschutzhund? Das war etwas Neues. «Wir setzten den Welpen in die Herde, und er zeigte sofort ein ideales Schutzhundverhalten», berichtet Landry heute erfreut, «Wir haben aus geschichtlichen Quellen erfahren, dass Bernhardiner früher als Hofhunde eingesetzt wurden.» Landry hofft, dass durch den Einsatz der legendenumwobenen Bernhardiner neben dem Pyrenäenberghund und dem spanischen Wachhund die Akzeptanz der Schutzhunde im Wallis wächst und damit auch Schafzucht und Wolf vereinbar werden. «Die anderen Schafhalter sagen mir: Wenn du dir einen Hund anschaffst, bist du der Freund des Wolfes», erzählt Olivier Sarrasin schulterzuckend, «dabei werde ich den Wolf nie akzeptieren, aber meine Tiere schützen.»

(Quelle: Christa Mutter - Basler Zeitung v. 13.7.1999)

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Anfang einer vernünftigen Diskussion

Mit Schutzhunden gegen den einwandernden Wolf und gegen althergebrachte Vorurteile

Einige Walliser Schafhalter bereiten sich mit Schutzhunden und Eseln auf den Wolf vor. Doch die meisten Schafhalter fordern Abschüsse, und schon ist klar: Der Kanton Wallis und das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft werden dem Druck nachgeben, so wie es gerade beim Luchs geschieht.

Eigentlich mag ich keine Hunde", sagt Olivier Sarrasin, guckt aber stolz zu Orlando, seinem Pyrenäenberghund, und dessen kleiner Gefährtin Praline. "Ich war gegen Schutzhunde", bekräftigt der Bauer und Bergführer aus Praz-de-Fort im Val Ferret. "Aber wenn der Wolf kommt, müssen wir etwas unternehmen." Darum besorgte ihm Jean-Marc Landry, der Hirtenhundspezialist im Projekt "Wolf Schweiz", im letzten Herbst einen Welpen aus den Pyrenäen, der nun mitten in der Schafherde aufwächst. Doch der junge Hund jagte öfters im Spiel trächtige Schafe umher. "Das vertrage ich nicht! Er ging ein paarmal knapp am Tod vorbei!" knurrt Sarrasin, guckt aber wieder stolz: Orlando führt vor, dass er heute ein verlässlicher Schutzhund ist. Er geht jedem Geräusch nach und verbellt die Hunde von Spaziergängern; er bleibt immer bei der Herde, egal, was jenseits des niedrigen Hags auch locken mag, und die kleine Hündin tut es ihm nach. "Ich würde die beiden nicht mehr hergeben!", sagt Sarrasin, der täglich Futter bringt und sonst die 120köpfige Schafherde in der Obhut der Hunde lässt. Auf der Alp wird er sie noch nicht einsetzen, denn wie die meisten Walliser Schafhalter beschränkt er sich dort auf wöchentliche Kontrollgänge.

Claude und Martine Lathion sind noch etwas experimentierfreudiger. Sie halten den Esel Chico (unser Bild) bei der Schafherde, was gegen Wölfe und andere Störenfriede durchaus Sinn macht. "Esel sind neugierig, sie gehen jedem Geräusch nach - und sie machen Lärm", erklärt Jean-Marc Landry, "ausserdem mögen sie nichts Hundeartiges, was ideal ist gegen Wölfe." Chico macht freilich eine Ausnahme: er akzeptiert den Bernhardiner Arco als Schutzhund, und verträgt sich auch mit den Collies, welche die Lathions als Hirtenhunde zum Zusammentreiben der Herde einsetzen. Lathions wollten unbedingt einen Bernhardiner. Kein Wunder, ist diese alte Rasse im Hotel der Familie Lathion an der Strasse zum Grossen St. Bernhard doch das Hausmaskottchen. Bernhardiner als Herdenschutzhund? Das war auch für die Fachleute etwas Neues. "Wir setzten den Welpen in die Herde, und er zeigte sofort ein ideales Schutzhundverhalten", freut sich Landry heute, "wir haben aus geschichtlichen Quellen erfahren, dass Bernhardiner früher als Hofhunde eingesetzt wurden."

Schafhalter sind nur schwer zu überzeugen

Landry hofft, dass durch den Einsatz der legendenumwobenen Bernhardiner neben dem Pyrenäenberghund und dem spanischen Wachhund die Akzeptanz der Schutzhunde im Wallis wächst, und damit auch Schafzucht und Einwanderung des Wolfs vereinbar werden. Doch es gibt erst einige ermutigende Erfahrungen und daneben eine grosse, ablehnende Front.

Elf Hunde und fünf Esel setzt das Projekt Wolf Schweiz bisher ein und sammelt Erfahrungen: Esel eignen sich nur zum Einsatz in kleinen, eingezäunten Gruppen. Für Schafherden braucht es mindestens zwei Hunde, aber höchstens vier, damit sie keine Meute bilden. Jean-Marc Landry erzieht und überwacht jeden Hund sorgfältig. Er sucht Welpen geeigneter Abstammung, die gar nicht einfach aufzutreiben sind. Doch schon gebe es Hundezüchter, die ein Geschäft wittern, und Schäfer, die ungeeignete Hunde einsetzen - der Schutzhund sollte nicht selbst zum Jäger werden, darf aber auch nicht zu nett sein. "Touristen sind oft ein Problem", fügt Landry bei, "Schutzhunde soll man nicht locken, nicht streicheln, sie sollen bei der Herde bleiben und nicht Kontakt mit Menschen suchen. Wir versuchen, das richtige Verhalten mit Informationstafeln zu erklären."

"Es gibt kein Patentrezept"

Der Oberwalliser Biologe Peter Oggier stellt fest: "Mensch und Wolf sind nicht mehr gewohnt zusammenzuleben. Es gibt aber kein Patentrezept zum Schutz der Herden." Nach dem Tod des Simplon-Wolfes im Januar hätten sich die Gemüter etwas beruhigt, und man wolle nun mit den Kleinviehhaltern zusammen die regional geeignetsten Schutzmethoden entwickeln. Im Oberwallis sorgt das Thema "Wolf und Schaf" für noch schroffere Reaktionen als im welschen Teil, denn vor allem die Rasse der Schwarznasenschafe hat ihre Eigenheiten, und deren Halter ebenso! Die Schwarznasen weiden nicht in Herden, sondern vereinzelt, und sie sind nur mühsam zusammenzuhalten. Dasselbe gilt für ihre Halter, die bisher nicht zu bewegen waren, ihre 20 oder 40 Tiere zusammen mit jenen des Nachbarn in grösseren Herden hüten zu lassen - weder von Hunden noch von Hirten, die natürlich teuer zu stehen kommen. Die Kora-Leute sind überzeugt, dass es ganz ohne Hirten nicht gehen wird. Die Geographin Eva-Maria Kläy, Informationsbeauftragte des Wolfprojekts des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) und des Kantons Wallis, versucht in Diskussionen mit den Hobby-Schafbauern über Schutzmassnahmen gegen Wölfe zu informieren: "Die Schafhalter sind meist Leute, die ihr Hobby mit ungeheurer Leidenschaft betreiben. Dem müssen wir Rechnung tragen."

300 000 Schafe leben heute in der Schweiz, davon 75 000 im Wallis. Der Walliser Jagdinspektor Narcisse Seppey erklärt, dass es vor allem Probleme gibt, wenn die Schafe in die höheren Regionen, die Gemsweiden, aufsteigen - was sie ohne Hirten unweigerlich tun. Peter Oggier verweist auf die Folgen: Übernutzung der Weiden, Übertragung der Gemsblindheit, Preiszerfall - doch er betont auch: "Vom Erhalt einheimischer Rassen her ist es sicher richtig, Resultate langer Zucht wie die Schwarznasen zu erhalten. Dies dient auch für die Freihaltung der Weiden und nicht zuletzt dem Tourismus."

Nur geduldet bei Wohlverhalten

Wo aber bleibt der Wolf? Neben den präventiven Schutzmassnahmen und den Entschädigungen für gerissene Schafe will Buwal-Direktor Roch auch weitere Abschussbewilligungen geben, falls ein Wolf "ein untolerables Verhalten" zeige und sich auf Schafe spezialisiere - so wie er es beim Luchs handhabt. Yvon Crettenand, beim Staat Wallis mit der Spurensicherung von Wölfen beschäftigt, betont: "Manchmal muss man ein Tier opfern, um die Existenz der Rasse zu sichern."

(Quelle: Aargauer Zeitung v. 30.6.1999)

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Umwelt: Die Raubtiere kehren in die Schweiz zurück


Erst Luchs, dann Wolf, bald Bär

Raubtiere finden wieder genügend Fressen in der Schweiz. Deshalb kehren Wolf, Luchs und Bär zurück in unsere Wälder.

VON ROLF ELSENER


Nein, es ist kein wildernder Hund, der seit einiger Zeit im Wallis herumstreicht. Es ist ein Wolf. Die Untersuchung des in Veysonnaz gefunden Kotes habe ergeben, dass es sich um einen Wolf italienischer Herkunft handle, gab der Walliser Staatsrat Jean-René Fournier gestern bekannt.

Es handelt sich dabei um keinen zufälligen Fund: Die Raubtiere kehren langsam, aber sicher in die Schweiz zurück.

Der Luchs:In den Nordwestalpen und im Jura leben 150 Luchse. Dies ist ein Resultat der Ansiedlung durch den Bund, die 1971 in Obwalden begann. Zurzeit laufen Abklärungen, ob auch in den Kantonen Schwyz, Zug und Uri Luchse angesiedelt werden sollen.

Der Wolf:Vom italienischen Apennin – wo der Wolf seit den siebzigern Jahren unter Schutz steht – überschritten Wölfe zu Beginn der neunziger Jahre erst die französische Grenze und machen sich nun auf in die Schweizer Alpen.

Der Bär:Im Brenta-Gebiet um Trient, rund 30 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, leben drei bis fünf Braunbären. Im Juni wurden zudem ein Bär und eine Bärin ausgesetzt. Weiter hat man in Norditalien die Zuwanderung eines Bären aus Slowenien beobachtet. «Die Braunbären sind sehr wanderfreudig», erklärt der Biologe Andreas Moser. «Es würde mich nicht wundern, wenn heute eine Nachrichtenagentur melden würde, ein Bündner Wildhüter habe einen Bären gesichtet.»

Mehr Platz, mehr Nahrung

Was treibt die Raubtiere an, in die Schweiz zurückzukehren? «Der Stand unserer Wälder hat sich stark verbessert», erklärt Philippe Roch, Direktor des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal). Einerseits habe sich der Bestand von Wildtieren in unseren Wäldern stark vermehrt, andererseits sei auch die Waldfläche gewachsen. Mehr Platz, mehr Ruhe, mehr Nahrung – das locke Wolf, Luchs und Bär an, so Roch.

Andreas Moser ortet noch eine weitere Ursache: «Unsere Gesellschaft hat die Mittel, allfällige Schäden zu verkraften, welche Raubtiere anrichten, und eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist für deren Schutz.» Das war in der Mitte des letzten Jahrhunderts anders und führte in der Schweiz «zur systematischen Vertreibung der Wildtiere durch den Menschen», wie es Philippe Roch formuliert. Die armen Schweizer wilderten damals Hirsche, Rehe und Steinböcke und nahmen so den Raubtieren dieNah-rung weg. Diese wiederum begannen Haustiere zu reissen – und zogen den Zorn der Bauern auf sich, die ohne zu zögern zu Gewehr, Gift und Fallen griffen.

Die Rückkehr der ausgewanderten Tiere begrüsst Andreas Moser, weil die Raubtiere für einen natürlichen Ausgleich im Ökosystem Wald sorgen würden. «Jede Tierart braucht einen Gegenspieler. In der jüngeren Vergangenheit war der Mensch Gegenspieler der Huftiere im Wald. Der Mensch kann diese Rolle aber nie so ausüben wie ein natürlicher Gegner.»

Furcht vor Menschen

Eine Gefährdung für die Menschen durch Luchs und Wolf sei «absolut von der Hand zu weisen», sagt der Biologe Moser, ihr natürliches Verhalten sei die Furcht und die Flucht vor dem Menschen. Einzig der Bär habe das Zeug zu Übergriffen. «Man muss darauf achten, dass die Bären beim Menschen kein Futter holen können.» Nur wenn er regelmässig in Kontakt zu Menschen komme, bestehe die Gefahr, «dass der Bär seine natürliche Menschenscheu verliert».

Ein Mythos

Trotz der entwarnenden Worte des Experten: Der Wolf hat immer noch den Mythos des menschenfeindlichen Raubtiers, das reisst, was ihm gerade vor die Zähne kommt. So sind auch die Ergebnisse zu interpretieren, welche die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft im letzten Dezember veröffentlichte. «Meinungsumfragen haben ergeben, dass eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung den Wolf willkommen heisst. Dort, wo er dann aber tatsächlich auftaucht, ist es mit der breiten Zustimmung schnell vorbei», erläuterte das Institut, das dieses Jahr das Image des Wolfes wissenschaftlich untersucht hat.


(Quelle: Luzerner Zeitung v. 29.6.1999)

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Noch nicht «herzlich willkommen»

Walliser Regierung unterstützt Wolfsprojekt - Erste positive Erfahrungen mit Herdenschutz

Das Pilotprojekt «Wolf» macht Fortschritte. Erste Versuche mit Herdenschutzhunden und Eseln sind im Wallis positiv verlaufen.

(sda/ap) Nach der Aufregung um den Luchs und die «Bestie im Val Ferret» ist in Veysonnaz wieder ein Wolf aufgetaucht. Das Tier stammt aus Italien. Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) will nun mit Begleitmassnahmen das dreijährige Wolf-Projekt unterstützten, hiess es gestern an einer Medienorientierung in Martigny VS. Zurzeit sind elf Hunde und fünf Esel bei verschiedenen Schafherden im Ober- und Unterwallis untergebracht.

Regionale Unterschiede

Die Schutzhunde und Esel sind Teil des Pilotprojekts, welches das Buwal im Januar 1999 startete. Einige Schutzhunde und Esel wurden aber im Val Ferret VS, wo der Wolf 1995 als erstes aufgetaucht war, bereits vorher in Herden plaziert, weshalb dort erste positive Erfahrungen gesammelt werden konnten. In bezug auf den Herdenschutz räumen die Experten aber ein, dass es kein Allerweltsmittel gegen den Wolf gibt. Die regionalen Unterschiede erforderten die Entwicklung verschiedener Schutzmethoden, was im Dialog mit den Schafhaltern erfolgen müsse. Nach einigen Turbulenzen Anfang Jahr, ist dieser Dialog jetzt im Gang. Ende 1998 und Anfang 1999 hatte ein Wolf im Simplongebiet über 40 Schafe getötet. Das Raubtier wurde im Januar überfahren.

Regierung fordert Analyse

Die Walliser Regierung zeigt nun aber Kooperationsbereitschaft, auch wenn sie nicht gerade erfreut ist: «Ist der Wolf im ganzen Kantonsgebiet willkommen? Nein. Aber wir sind bereit, mit einer realistischen Politik das Gegenteil zu beweisen», sagte der Walliser Staatsrat Jean-René Fournier. Bevor sie den Wolf herzlich willkommen heisst, verlangt die Regierung eine Analyse der Auswirkungen auf die übrige Tierwelt und der allfälligen finanziellen Einbussen. Darum gehört nebst dem Herdenschutz nun auch die Erfassung der Wölfe in bezug auf Spuren und Schäden sowie die Organisation der Entschädigung zum Pilotprojekt im Wallis. Zudem steht den Schafhaltern ein Beratungstelefon zur Verfügung. «Es ist wichtig, die Rückkehr des Wolfes wissenschaftlich zu begleiten, damit Wolf und Mensch erfolgreich zusammenleben können» sagte Buwal-Direktor Philippe Roch. Er sprach sich für eine sachliche Information und die Bekämpfung des «Märchens vom bösen Wolf» aus.

Wolf nicht grösste Gefahr

Eine Abschussbewilligung, wie sie für Luchse in den Kantonen Bern und Freiburg gegeben wurde, gibt es beim Wolf laut Roch nur unter den Bedingungen, wenn der Wolf untragbare Schäden angerichtet hat und die zumutbaren Schutzmassnahmen getroffen worden sind. Dass der Wolf nicht die grösste Gefahr für Schafe darstellt, belegte das Buwal mit einer Statistik. Durch schlechte Witterung, Steinschlag oder Panikabstürze wegen Flug-Übungen sterben jährlich rund 10 000 Schafe. Das sind 50mal mehr Tiere als den Wölfen in den letzten drei Jahren zum Opfer gefallen sind.

(Quelle: Tagblatt v. 29.6.1999)

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Rückkehr eines Mythos: Keine Angst vor dem Wolf

Nach den Bären könnten auch die Wölfe wieder in Österreich heimisch werden: "Es ist zu erwarten, daß in den nächsten Jahren Wölfe auch in den Ostalpenraum vorstoßen werden", sagt WWF-Geschäftsführer Günther Lutschinger.

Seit den 70er Jahren wurden in vielen Ländern Schonzeiten und Schutzmaßnahmen eingeführt. Nach Mitteleuropa wandern die Tiere von Italien, dem Balkan und den Karpaten ein.

Der WWF hat jetzt eine Broschüre herausgebracht, mit deren Hilfe er Vorurteilen und alten Mythen im Zusammenhang mit dem Wolf entgegentreten will. "In Europa gibt es keinen bewiesenen Fall, daß ein gesunder wildlebender Wolf einen Menschen absichtlich angegriffen, getötet oder gefressen hätte.

Die Gefahr, von Hunden angegriffen zu werden, ist wesentlich größer", sagt Norbert Gerstl, WWF-Spezialist für große Raubtiere: "Es gibt keinen Grund, sich zu fürchten."

Italien, Rumänien und Slowenien sind laut Gerstl Beispiele dafür, daß das Miteinander von Menschen und Wölfen möglich ist. "Der Wolf ist ein wesentlicher Teil unserer ursprünglichen Artenvielfalt, die heutige Situation ist eine Chance, das Unrecht der vollständigen Ausrottung dieser faszinierenden Geschöpfe wiedergutzumachen."

An eine Wiederansiedlung von Wölfen - durch das Aussetzen von Tieren - ist übrigens nicht gedacht. Einwandernde Tiere sollten aber eine Überlebenschance bekommen, so Gerstl. Dafür sei die Entwicklung von Schutzkonzepten notwendig.

Die neue Broschüre mit vielen Informationen über den Wolf kann beim WWF zu einem Unkostenbeitrag von 50 S bestellt werden. 0 1 / 488 17 / 214
eMail: wwf@wwf.at Internet: www.wwf.at


(Quelle: Kurier)

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Kein Pardon


Brigitte Bardot -einst Schauspielerin, jetzt engagierte Tierschützerin -will fünf Wölfe in Slowenien vor dem Abschuß retten. In einem Schreiben an Sloweniens Umweltminister Pavle Gantar drohte sie seinem Land mit einem "internationalen Skandal".
(Kleine Zeitung v. 31.1.1999)

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Gesellschaft für Meister Petz: Karawanken-Wolf

Wenn Slowenien Wölfe nicht zum Abschuß freigibt, wird es sie bald in den Karawanken geben.
EU sieht 13 förderungswürdige Projekte.

VON ELKE FERTSCHEY

Heulende Wölfe im vollen Schein des winterlichen Mondes - dieses Szenario könnte in den Karawanken wieder Wirklichkeit werden, wenn Slowenien die aus Kroatien kommenden Tiere nicht dem Abschuß preisgibt. Doch worüber sich Naturschützer freuen werden, darüber werden sich Bauern und Jäger ärgern. Der Wolf ist ein Raubtier, das gerne Schafe und Rotwild reißt. Wer bezahlt dann die Schäden?

Derartige Interessenskonflikte zu schlichten, ist u. a. Aufgabe der ARGE Südöstliche Kalkalpen, die im letzten Jahr zur Durchführung von dreizehn förderungswürdigen EU-Interreg-Projekten gegründet wurde. Auf beiden Seiten der Karawanken, der Steiner Alpen und den Karnischen Alpen soll grenzüberschreitender Naturschutz auf die einzigartigen Besonderheiten der Flora und Fauna dieses ehemaligen Gletschergebietes aufmerksam machen, erklärt ARGE-Präsident Mag. Bernhard Gutleb die Intention des Vereins.

Besondere Raritäten sind die Endemiten, seltene Arten, die in den eisfrei gebliebenen Gipfelregionen die Eiszeit überdauerten und heute nur dort und sonst nirgends vorkommen, wie zum Beispiel das Obirsteinkraut oder das urwaldartige Krainer Kreuzkraut. Die Gipfel waren auch Refugium für bestimmte Tiere, die durch die Isolation dort neue Arten entwickelten.

Alle Projekte zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Naturschätze sollen immer gemeinsam mit der ansässigen Bevölkerung umgesetzt werden. Ein bereits gelungenes Beispiel für den Zusammenklang von almwirtschaftlichen Erfordernissen, touristischen Ansprüchen und Naturschutz stellt das Entwicklungskonzept Hochobir dar, das im April '98 fertiggestellt wurde. Zurzeit bemüht sich die ARGE Südöstliche Kalkalpen um die Gebietsbetreuung Vellacher Kotschna und Trögerner Klamm, grenzüberschreitende Naturraumkarten, eine Bestandsaufnahme der Großraubtiere Bär, Wolf und Luchs und erarbeitet ein Konzept für Aktionstage, an denen auch die Bevölkerung traditionelle bäuerliche Bewirtschaftungsformen, alte Kultursorten und Haustierrassen sowie die Endemiten der Karawanken und Steiner Alpen kennenlernen kann. Die Projekte laufen im April 2000 aus.
(Kleine Zeitung vom 14.12.1998)

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Bären, Wölfe und Luchse kommen in unsere Wälder

Drei Experten - darunter der Bärenanwalt des WWF - gaben über die Rückkehr der Großwildtiere in die heimischen Wälder Auskunft.

VON BARBARA EINHAUER

Jahrhundertelang haben wir die Angst vor den Großraubtieren in unseren Köpfen gepflegt und "weitervererbt". Archaischen Märchen mit Verehrung von Bären und Wölfen stehen "neuere" wie das Rotkäppchen, welches den Wolf als den Bösen hinstellt, gegenüber. Solchen Bildern, die tief in uns drinnen sind, ist nur schwer beizukommen. Andererseits wandern vereinzelt Großraubtiere in unsere Heimat ein, beim Bärenprojekt des WWF wurden sogar Bären ausgesetzt. Aus dieser Diskrepanz heraus boten die Programmgestalter der "Alpenstadt des Jahres" eine Informationsveranstaltung über "Die Rückkehr von Bär, Luchs und Wolf in die Alpen".

Trotz der starken Konkurrenz - in Ferlach wurde ja die Landesausstellung eröffnet - fanden sich in Villach interessierte Zuhörer aus der Jäger- und Landwirtschaft, Naturschützer und sogar einige Familien mit deren Kindern ein.

Zulassen. Es sei nur eine Frage des Zulassens, wie schnell Bären, Luchse und Wölfe in die Kärntner Wälder zurückkehren, war eine Grundaussage des aus drei Experten bestehenden Referenten-Teams. Allen voran sei der Bärenanwalt des WWF für Kärnten und Oberösterreich, der Klagenfurter Zoologe Mag. Bernhard Gutleb, erwähnt. Seinen Ausführungen über die Lebensart des Bären zu folgen, ist ein Erlebnis, er berichtet kompetent und humorvoll. "Nur keine Angst", propagiert Bärenanwalt.

In Österreich leben zurzeit etwa 25 Bären, davon sechs bis zehn in den Gailtaler und Karnischen Alpen. Anhand der Tatzenabdrücke - sogar für den Laien unverkennbar - und der Losung läßt sich die Anwesenheit des Bären nachweisen, jedoch die Chance, einen Bären zu treffen, ist denkbar gering.

Das Gleiche gilt für Luchs und Wolf. Der Wolf, von ihm berichtete Andreas Zedrosser, hat in seiner Ausbreitung die südlichen Voralpen erreicht. DI. Thomas Huber warnte als Luchsexperte, die Raubtiere zu idealisieren und zu überhöhen, um "unsere Sehnsucht nach Wildnis" zu stillen. Nüchternheit tut not.

(Kleine Zeitung vom 27.4.1997)

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