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Das Bild des Wolfes
im Wandel der Gesellschaft

von Cornelia Windolf



Das Wolfsbild heute
In unserer heutigen Gesellschaft ist der Wolf wieder im Gespräch. Er ist sogar gesellschaftsfähig geworden. Das Buch "Die Wolfsfrau" von Clarrissa Pinkola Estes ist Bestseller geworden. Das derzeit stärkste Buch über Frauen, laut Abendzeitung; Eine Hommage an die weibliche Intuition....Das Buch avancierte...zum Kultbuch , laut Brigitte; Ein fundiertes Fachbuch laut Süddeutsche Zeitung.

Das Wolfsrudel
Der Wolf ist ein Rudeltier mit stark ausgeprägtem Sozialverhalten. Die Grundeinheit der Wolfsgesellschaft, das Rudel, ist eine der kompliziertesten und hochentwickelsten Formen im ganzen Tierreich. Alle Generationen des Rudels leben und wirken in klar umrissenen Herrschaftsgebieten auf gut funktionierende Art und Weise zusammen. Im Rudel besteht eine klare Rangordnung.

Die Rangordnung
Diese Rangordnung wird separat unter den Wölfen und unter den Wölfinnen festgelegt. Der Alphawolf und die Alphawölfin führen das Rudel an. Nur die Alphawölfin darf Junge bekommen, um die sich das ganze Rudel kümmert. Der Alphawolf schwängert die Alphawölfin. Der zweitstärkste Wolf ist der Betawolf. Er unterstützt den Alphawolf . Gemeinsam mit ihm tritt er beispielsweise einen Pfad im Schnee für das Rudel oder er umsorgt die Alphawölfin, wenn der Alphawolf sie nicht ausreichend versorgen kann, vorausgesetzt die Wölfin hat ihn nicht abgewiesen. Er kann auch Vater der Welpen sein, wenn der Alphawolf verhindert ist, trotzdem kann er den Führungsrang des Alphawolfes nur streitig machen, wenn er kräftiger ist. Danach folgen die untergebenen Wölfe und Wölfinnen. Zuletzt folgt der Omegawolf. Der Omegawolf ist der Sündenbock des Rudels und somit immer Opfer von Agressionen im Rudel. Die Omegawölfe sind daher oft Gründer neuer Rudel, wenn es ihnen zu bunt wird. Es kommt im Wolfsrudel nie zu tödlichen Verletzungen bei Auseinandersetzungen. Die Natur hat hier eine Bißhemmung eingebaut, sobald sich der Kontrahent auf den Boden legt und seine Kehle zeigt.

Die Kinderstube
Ein Bau liegt meinst auf einer Anhöhe von der das Rudel eine größere Fläche übersehen kann. In der Kinderstube des Rudels gibt es für die Welpen einen Spielplatz und eine Kinderstube. Wenn die Alphawölfin mit auf Jagd ist, kümmern sich die Zurückbleibenden beschützend und fürsorglich um die Welpen. . Die Größe des Wurfes der Alphawölfin reguliert die Natur parallel zur vorhandenen Beute. Der Bestand der Beutetiere bleibt konstant.

Die Verständigung
Die Verständigung unter Wölfen erfolgt durch Schwanzstellungen und Gesichtsgestiken. Der Alphawolf trägt den Schwanz am höchsten. Der Omegawolf hat ihn ständig eingeklemmt. Es bellen nur die Welpen. Das Heulen erfolgt im Rudel. Der Alphawolf stimmt an, bis alle mit eingestimmt haben. Die Länge des Heulens ist unterschiedlich und nicht abhängig von Vollmond oder anderen Naturerscheinungen. Es wird vermutet, das durch das Heulen, anderen Rudeln die Anwesenheit mitgeteilt wird und das eigene Rudel zusammengehalten werden soll und zur Jagd vereinigt. Im Mai nimmt das Heulen deutlich ab, wohl um den Bau der Jungen nicht zu verraten.

Revier
Durch das Heulen wird das Revier abgegrenzt, soweit es zu hören ist. Zwischen den Revieren der verschiedenen Rudel gibt es einen Kilometer breiten Streifen Niemandsland. Er grenzt die einzelnen Rudel voneinander ab. Ferner bildet es eine Art Vorratskammer. Tödliche Auseinandersetzungen gibt es nur in den Revierkämpfen und zwischen den Alphawölfen. Ein einzelner Wolf kann durchaus ein ganzes Rudel übernehmen, wenn er stärker als der Alphawolf ist.

Die Jagd
Wölfe jagen immer im Rudel. Je nach Strategie, wird den Alphawölfen die Beute zugetrieben oder sie führen die Jagd an. Ein Wolf jagt nicht allein. Einzige Ausnahme sind Einzelgänger. Doch dann kann er nur Kleintiere erlegen. Das ganze Rudel ist beteiligt an der Jagd. Die Opfer sind kranke oder schwache Tiere. Die Beute wird daher genau beobachtet. Wölfe sind viel zu faul, um gesunde Tiere zu jagen. Solange genug Schwache da sind, werden keine gesunden Tiere angegriffen. Gefressen wird die Beute in Rangfolge. Zuerst der Alphawolf, dann der Betawolf, dann die untergebenen Wölfe und zuletzt der Omegawolf. Die Jagderfolge sind in der Regel gering. 13 Wölfe beobachteten 113 Elchen erlegten nur 10, von 224 Dall - Schafen nur 13 und von 26 Karibus erlegten sie eins. Zusätzlich ernährten sie sich von 16 Kadavern von Tieren, die durch die große Kälte verendeten. Diese Zahlen erfaßte Haber bei der Beobachtung im MC KinleyPark im Winter 70/71.

Wolf und Mensch
Der Wolf ist sehr scheu. Es gibt keinen bewiesen Angriff eines Menschen durch einen Wolf. Das Erlegen von Haustieren ist dem Wolf nicht nachgewiesen, auch wenn er als erstes gejagt wird, wenn Hausherdentiere gewildert wurden. Oft steckt jedoch ein wildernder Hund dahinter. Doch die Urangst des Menschen ist vorhanden.

Gemeinsame Geschichte
Wolf und Mensch hatten nachweislich vor 400 000 Jahren den selben Lebensraum. Bis der Mensch zu Ackerbau und Viehzucht überging und seßhaft wurde, hat er sich in der Jagd mit dem Wolf ergänzt. Das erste Haustier war der Hund. Die ältesten Hundeknochenfunde stammen aus den Anfängen der Seßhaftigkeit und sind ca.15.000 Jahre alt. Wurde der Mensch zum Bauern und damit seßhaft, weil er durch den Hund Schutz vor Wölfen hatte? Doch wo kam der Hund her? Ist es der erste gezähmte Wolf gewesen? Durch die Genetik ist bewiesen, der Urwolf ist der Urahne unserer Hunde. Durch die ständige Vermischung des Hundes mit wilden Wölfen sind die vielen verschiedenen Hunderassen entstanden. Es ist jedoch unmöglich einen Wolf zu zähmen, es sei denn es geschieht, wenn er Welpe ist. Doch die Welpen können nicht ohne Milch großgezogen werden. Da das erste Haustier der Hund war, bleibt die Frage, woher kam die zur Aufzucht notwendige Milch? Darüber gibt es verschiedene Mutmaßungen. Eine lautet, das die Welpen von Frauen gesäugt wurden, um sie zu zähmen. Jedenfalls wurde damit der Grundstein für die Seßhaftigkeit gelegt. Andere Haustiere folgten und der Wolf wurde zum Räuber degradiert und bekämpft.

Kirche
Zu der Zeit, in der die Wölfe am stärksten verfolgt wurden, wurde auch unter den Menschen alle verfolgt, die sich nicht einordnen wollten. Die unbeugsamen Frauen wurden als Hexen verbrannt und die Männer, die sich nicht an bestehende Regeln halten wollten, als Hexenmeister. Der Wolf wurde von der Kirche als Sinnbild des Bösen deklariert. Wer sich merkwürdig verhielt, war mit dem Wolf und somit im Bunde mit dem Teufel und wurde verfolgt. Die Gläubigen waren die Schafe und die Bösen die "Wölfe im Schafspelz". Wer den Wolf besiegte oder im Kampf mit ihm starb, wurde heilig gesprochen.

Geschichten
Den Menschen wurde zudem Angst gemacht durch Märchen unter anderen von den Gebrüder Grimm, die sehr gläubig waren. Dafür stehen die Märchen von "Rotkäpchen" und "der Wolf und die sieben Geißlein". Durch Furcht sollte gehorsam erreicht werden. Dafür war der Wolf als Inkanation des Bösen wie geschaffen. Jäger die einen Wolf erlegt hatten, wurden geehrt und gefeiert. Sie trugen ihre furchterregende Beute durchs Land und wurden beschenkt, wo sie auftauchten. Um so mehr Furcht selbst der tote Wolf noch verbreitete, um so stärker wurden sie beschenkt.

Überleben
Der Wolf tötet seit 30-40 Jahren nicht jeden Hund, der ihm begegnet. Nachdem der Hund erst schmerzhaft gebissen wurde hat er gute Chancsen zu überleben und im Rudel aufgenommen zu werden, wenn er sich zu wehren weiß. In Sibirien wurden 2 einsame Wölfinen dabei beobachtet, wie sie 2 Jagdhunde auswilderten. Es wird davon ausgegangen, dass die ausgewilderten Hunde Pfadfinder- Aufgaben übernehmen im Rudel, damit es in bewohnten Gebieten zurechtkommt.

Rückkehr
Einzelne Wölfe durchschwimmen immer wieder die Oder. In Deutschland gibt es die ersten wieder in Brandenburg. In der Schweiz in der Nähe Zürichs wurden Wölfe wieder heimisch. Dort laufen Aktionen um das Bild vom Bösen Wolf zu zerstören. Bei uns in Deutschland steht der Wolf unter Artenschutz. Trotzdem ist er zur Jagd freigegeben.

Stellungnahme
In unserer hoch technisierten heutigen Zeit, kehrt die Sehnsucht zur Natur und zur Natürlichkeit zurück. Naturromantik kommt auf. Es werden neue Werte gesucht. Deshalb ist es naheliegend, im Tierreich bei den Wölfen zu suchen, da sie uns im Sozialverhalten am ähnlichsten sind. Die Kirche hat an Zulauf verloren und das Buch "die Wolfsfrau" ist zum Bestseller geworden. Dadurch sehe ich bestätigt, dass der Wolf gesellschaftsfähig geworden ist. Allerdings, stimme ich der Autorin nicht darin zu, das allein die Frau sich mit dem Wolf identifizieren kann. Wie ich dem Artikel einer schweizer Zeitung entnehmen, gab es Geschlechterunterschiede in der Meinung, um die Gefährlichkeit des Wolfes. Ich kann die gesamte Gesellschaft im Wolfsverhalten wiederfinden. Für Manche hat die Gesellschaft den Platz des "Bösen Wolfes" eingenommen, so dass das Tier an sich nicht mehr gefürchtet wird. Ich behaupte es gibt einige Verhaltensweisen bei uns, die auch im Wolfsverhalten zu finden sind. Ich bin der Meinung, diese Entwicklung wird weiter gehen. Die Gleichberechtigung gehört dazu "Alphawolf und Alphawölfin" sie jagen zusammen. Ein Duchschnittsverdiener allein kann keine Familie mehr ernähren, die Frau arbeitet mit. Ehen werden häufig geschieden. Ein Alphawolf hält seinen Rang ca. 8 Jahre.Es gibt Lebensabschnittpartner oder Lebensgemeinschaften "Rudelverhalten". Es gibt bei uns die ewigen Verlierer "Omegawölfe" bis sie eine grundsätzliche Änderung herbeiführen oder ein "Eigenes Rudel" finden z.B. Banden oder Neonazis. Ferner der Ausdruck über Gewalt. Parallelen finde ich im "einsamen Wolf", der sich nirgends zugehörig fühlt. Er kann als Einzelgänger gefährlich werden z.B. Amokläufer. Unser Sozialstaat versorgt die Sozialschwachen,. Doch erst wenn wir Schwächen auch akzeptieren, und jeden seiner Fähigkeit entsprechend einsetzen können, kann sich jeder im Rudel - Gesellschaft auch dazugehörig fühlen, da können wir vom Wolf noch lernen. Ebenso in der Versorgung und Erziehung der Kinder unserer Gesellschaft und der Achtung der Familie bzw. verschiedener Lebensgemeinschaften. Überleben können wir alle nur, wenn wir die Natur akzeptieren und nicht ständig versuchen sie zu ändern (künstliche Befruchtung z.B.). Frieden wird es erst geben, wenn wir uns alle nur einem Rudel zugehörig fühlen, denn in einem Rudel kommt es nicht zu tödlichen Auseinandersetzungen. Auf jedem Fall muß der Gemeinschaftsgedanke stärker vertreten werden. Nur wenn der richtig "verkauft" wird, werden in unserer Demokratie neue Werte geschaffen. Das geht sehr gut über den Wolf. Dort kann sich jeder wiederfinden! Jeder!

"We humans fear the beast within the wolf because we do not understand the beast within ourselves"
Gerald Hausman, Turtle Island Alphabet


(Autor: Cornelia Windolf)