Make your own free website on Tripod.com

 
Neustrelitzer sind Wölfen in Äthiopien auf der Spur


 

 

Vor den Wölfen wird in Äthiopien sogar mit einem Schild gewarnt. Die Neustrelitzerin Anne Hemke steht neben so einer Warnung, die auf Amharisch verfasst ist. Foto: Hemke  

Naturschützer reisen ins afrikanische Hochland Urlaubserlebnisse werden gesucht

Neustrelitz (EB/E. Hemke). Wölfe in freier Wildbahn zu beobachten, war das Ziel von Anne und Erwin Hemke, die deswegen aber nicht nach Russland oder Nordamerika fuhren, sondern nach Äthiopien. Die Familie der Wölfe hat sich einst in mehreren Arten rund um die Nordhalbkugel herausgebildet, aber nur eine Art drang bis nach Afrika vor. Es ist dies der Äthiopische Wolf oder auch Simianfuchs genannt, der heute zu den seltensten dieser Raubsäugerfamilie gehört. Etwa 200 bis 300 leben davon noch im äthiopischen Hochland, zumeist in Höhen über 4000 Meter, wo die Luft schon merklich dünner wird und es Atembeschwerden geben kann. Auch hundekalt sollte es werden, was man für Afrika kaum vermutet.
Die Ankunft in Addis Abeba, immerhin in mehr als 2000 Meter Höhe gelegen, war für die elf Naturschützer aus Deutschland noch recht passabel, denn bis Mittag stieg die Quecksilbersäule auf 30 Grad und am Nachmittag auf 35 Grad und mehr. Mit drei Geländewagen und ortskundigen Führern von der Universität Addis Abeba ging es dann ins Gebirge in Richtung Somalia. Wir trauten unseren Augen nicht, als in knapp 3500 Metern Höhe ein Schwarzstorch am Wege stand.

Viele Tiere erlebt

Ob der wohl einst im Strelitzer Land zur Welt gekommen war? Die Chance dafür ist gering und rauszubekommen wäre dies ohnehin nicht gewesen, denn Schwarzstörche werden nicht beringt. Aber wie ein Gruß aus der Heimat mutete es doch an. Steppen- und Raubadler, Schopfadler und Augusbussarde saßen auf den Felsen des Sanetti-Plateaus, wo auch die Wölfe leben sollen. Diese Wolfart ernährt sich nicht von großen Wildtieren oder gar Haustieren, sondern von den unsagbar vielen Kleinnagern wie Ratten und Mäusen. Überall flitzten sie durch die Moospolster. Und dann lagen plötzlich an einem Felsen drei rote Wölfe und ruhten sich aus. Einer stand auf und schlich sich zu einem Steppenadler, der eine Maulwurfsratte gefangen hatte. Der Adler ließ sie fallen und strich davon, wodurch der Wolf ohne sonderliche Anstrengung zu einer Mahlzeit von etwa ein Kilo frischem Fleisch gekommen war. Die anderen beiden kümmerten sich nicht darum, sie waren wohl satt. Nachdem die Naturschützer die Gruppe ausgiebig betrachtet hatte, standen alle auf und verschwanden zwischen großen Felsen und den Riesenlobelien. Wenige Minuten später kam von vorn ein einzelner Wolf geradezu auf die Gruppe zu. Mucksmäuschenstill erwarteten die in dicke Anoraks gehüllten Wolfsnaturschützer den Entgegenkommenden. Dann bog er zur Seite ab und passierte die Gruppe in etwa 100 Metern Entfernung, ohne irgendeine Notiz von den Besuchern aus dem fernen Deutschland zu nehmen. Nebel kam auf und dazu eine Temperatur um den Gefrierpunkt. Auf manchen Gewässern war noch Eis von der vergangenen Nacht, aber auf den eisfreien Wasserlachen tummelten sich Blauflügelgänse, die es nur im dortigen Hochland gibt. Einigen Naturschützern wurde die Luft knapp und so entschied der Reiseleiter, dass ein Geländewagen in rasender Fahrt ins Tal geschickt würde. Das waren dann etwa 30 Kilometer pro Stunde. Mehr war wegen des Zustandes der Hochgebirgspiste nicht drin. Auch die Neustrelitzer gehörten zu denen, die die Höhe nicht vertrugen und ins Tal nach Goba mussten, etwa in 3500 Meter Höhe gelegen.
Tags darauf stand ein Besuch der Nationalparkstation in Dinscho auf dem Programm. Das Sanetti-Plateau, auf dem Äthiopische Wölfe wie auf einer Insel leben, wurde 1985 in einer Ausdehnung von 2500 Quadratkilometern zu einem Nationalpark erklärt. Manche andere Tiere ziehen davon Gewinn, wie das Berg-Nyala, eine Antilopenart, und nicht zu knapp Warzenschweine.
Natürlich standen auch andere Tiere auf dem Besuchsprogramm. Unvergesslich sind dabei die Massen an Pelikanen, Flamingos, Marabus auf dem Shalla-See gewesen, der ebenfalls den Status eines Nationalparks hat. Und über allem am See der "Ruf Afrikas" der stimmfreudige Schreiseeadler, von dem sogar ein Nest mit Jungen in einer Schirmakazie gefunden wurde. Neustrelitz (EB). Während in den vergangenen Wochen in Mecklenburg-Strelitz viele Urlauber begrüßt wurden, hat mancher Einheimische einen Tapetenwechsel gesucht. Die Strelitzer Zeitung sucht die besonderen Erlebnisse ihrer Leser. Fremde Länder, Sitten und Bräuche oder das Besondere gleich nebenan sind gefragt. Schreiben Sie an die Strelitzer Zeitung, Strelitzer Straße 2-4, 17235 Neustrelitz, Kennwort Urlaub. Auch ein paar Fotos sollten Sie beilegen.
30.09.1999 © Nordkurier-Online 1999

zurück